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70er Vibes | Isabelle

     

citylights | Gabi

Ich war mit Gabi in der Innenstadt unterwegs. Wir habe in der Dämmerung gestartet und nur das verfügbare Licht aus Schaufensterscheiben und Straßenbeleuchtung genutzt. Und einmal auch die Lichter eines Jahrmarktes.

Von einer Idee, hin zu einer lebendigen Bildgeschichte – Storytelling in Form von Bildstrecken

Ich möchte euch von meiner Leidenschaft berichten, Menschen über das Erzählen von Bildgeschichten zu berühren. Und von einem besonderen Shooting mit Gabi & Valeriia, in dem ich zwei meiner größten Next Levels erlebt habe.

Zum einen, wie einfach es sein kann auch komplexere Geschichten in Form kompletter Bildstrecken mit der Kamera zu erzählen, wenn man alles konsequent in mundgerechte Häppchen aufteilt. Und, was für lebendige Bilder entstehen können, wenn man den Protagonisten innerhalb der einzelnen Episoden den Freiraum gibt, die Handlung auszufüllen. Der Grundstein zu letzterem wurde übrigens zufällig vor gut 3 Jahren bei mir gelegt, als unser Kater Merlin in das Shooting mit Nicole hereingeplatzt ist. Bei der Interaktion der beiden sind unfassbar lebendige und authentische Bilder entstanden.

Nicole meets Merlin

Kurz einmal alles auf Anfang – ich kann glaube ich nur in Bildgeschichten

Seit ich 2014 als Quereinsteiger in die Fotografie eingestiegen bin, habe ich bei meinen Shoots bereits in kleinen Bildserien oder Handlungsfolgen gedacht. Zuerst unbewusst, später habe ich das Thema Storytelling dann immer weiter beim shooten meiner Bildstrecken ausgebaut. Ich habe für mich festgestellt, wenn ich in Handlungsabläufen shoote, entsteht ein stimmiger Flow und somit auch stimmige Bilder. Bilder, die den Bildbetrachter weit mehr zum Nachdenken animieren, als es vielleicht ein statisches Einzelbild vermag. Besonders, wenn ich mit Menschen zusammenarbeite, die eher selten vor der Kamera stehen. Für diese Form des Storytellings brenne ich lichterloh! Aus dieser Urmotivation und Herangehensweise ist auch die Bildgeschichte „Daydreams“ mit Gabi und Valeriia entstanden.

Meine persönlichen Next Levels beim Shoot von „Daydreams“

Gabi und Valeriia haben mich bei einer meiner Veranstaltungen angesprochen, ob ich nicht auch mal mit ihnen zusammen shooten möchte. Ich habe vorher bereits mit beiden unabhängig voneinander gearbeitet und war sofort Feuer und Flamme. Ich spürte bereits die Vorfreude auf dieses Projekt. Die Herausforderung für mich: Ich hatte bisher noch keine komplette Geschichte mit zwei interagierenden Protagonistinnen umgesetzt. Ich war schon ein wenig aufgeregt. Es sollte sich aber als ein Mega Learning herausstellen.

Die Idee für die Bild-Geschichte

Zu der Idee und möglichen Inhalten versuche ich alles, was mir dazu an Gedanken kommt, aus dem Kopf auf ein Blatt Papier zu kritzeln. Das nennt sich übrigens Brainstorming. Ich habe dafür immer einen DIN A3 Zeichenblock rumliegen. So kann ich neue Gedanken hinzufügen es später weiter strukturieren. Vielleicht geht es euch auch so, wenn ich meine Gedanken nicht aufs Papier bringe, habe ich immer dieses unbestimmte Gefühl, mir geht irgendetwas wichtiges durch Lappen. Tipp: Schreibt die Gedanken einfach Stichwortartig, aufs Papier, so wie sie kommen. Versucht aber nicht, es gleichzeitig auch schon sortieren zu wollen. Das führt meistens zu einem Knoten im Kopf und der Prozess gerät ins Stocken.

Da Gabi & Valeriia auch gute Freundinnen sind, war dies die Basis für die Grundidee: Zwei Freundinnen verbringen einen gemeinsamen Tag.

Schritte für die Umsetzung

Ich habe mir überlegt, was könnten die Beiden an diesem Tag alles erleben. Umsetzen wollte ich es in einer möblierten Location mit improvisierter Bettenlandschaft. So war der Rahmen bereits eingegrenzt. Nachdem mein Blatt Papier vollgekritzelt war, habe ich das Ganze in eine Folge kleiner Episoden aufgeteilt und danach in eine für mich stimmige Reihenfolge gebracht. Nach dem Motto: Hast du einen großen Berg vor der Brust, teile ihn in kleine, mundgerechte Häppchen. Ich habe auch Ideen verworfen.

Der nächste Schritt war es am Setting zu feilen und Accessors für die einzelnen Episoden zusammen zu raffen, sowie die Klamotten abzustimmen. Valeriia: „Oh ja, ich bring meine Polaroidkamera mit, da lässt sich bestimmt was mit machen.“

Da eine Episode ein gemeinsames Frühstück der beiden war, gehörte dazu natürlich alles aufs Tablett, inkl. leckerer Croissants und frisch gebrühtem Kaffee. Tipp: Sorgt für ein möglichst echtes Umfeld. Es macht einen Unterschied, ob ich Valeriia einen blitzsauberen Becher aus dem Schrank in die Hand drücke, oder ob sie einen warmen Becher fühlt und den frischen Kaffeeduft in der Nase hat. Die Bilder, die da entstehen, werden wesentlich authentischer.

Jetzt mussten wir nur noch einen gemeinsamen Termin finden. Übrigens war dies auch der Zeitpunkt, wo mir zum Storytelling noch ein spannender Akzent für die Geschichte eingefallen ist. Bis zum Schluss sollte der Bildbetrachter im Unklaren sein, ob die beiden nur gute Freundinnen oder vielleicht doch ein Paar sind. Damit hat sich auch der Titel von ursprünglich „Lazy Days“ in „Daydreams“ gewandelt. Solche Entwicklungen sind typisch bei so einem fortschreitenden Kreativitätsprozess.

Die Bilder, die darauf schließen ließen, dass die beiden doch ein Paar sind, sollten eher schemenhaft, wie Facetten aus einem Tagtraum, erscheinen. Wie bspw. das Titelbild. Um diesen Tilt-Shift-Effekt zu erzielen, habe ich einfach ein großen Cognac-Schwenker vor das Objektiv gehalten. Da muss man dann ein wenig rumprobieren. Wenn man den Dreh heraushat, ist es aber eine easy Angelegenheit. Bei dem folgenden Bild habe ich über Bewegungsunschärfe mit einer 1/4s gearbeitet.

Da die Episodenliste mittlerweile schon recht lang geworden ist, war ich schon ein wenig Bange, ob alles so umsetzbar ist, wie ich es mir ausgemalt habe.

Meine Learnings

Die größten Learnings für mich bei diesem Abenteuer waren: Diese recht komplexe Geschichte einfach in kleine Episoden aufzuteilen (was soll passieren). Und das „Wie“ der Umsetzung weitestgehend Gabi & Valeriia zu überlassen. Dazu gehörte für mich allerdings auch Mut zur Lücke. Ich denke, eine große Herausforderung als Fotograf ist es, die Kontrolle ein Stück weit abzugeben und darauf zu vertrauen, dass ein eigenständiger Flow zwischen Gabi & Valeriia entsteht. Analog zum Initial-Move mit Nicole & Kater Merlin.

Zum Mut zu dieser Lücke gehört dann aber auch ein entsprechender Mindchange. Es ist, glaube ich, immer noch eine weitverbreitete Überzeugung, ich als Fotograf wäre für alles verantwortlich. Nicht nur für den handwerklichen Prozess, Bildkomposition und Kommunikation, sondern auch für das minuziöse Anleiten des „Modells“ inkl. Pose. Ich denke ein überzeichneter Gestaltungswille an dieser Stelle führt nicht selten zu statischen und leblosen Bildern.

Es war für uns Drei zuerst etwas ungewohnt und zu Beginn auch hakelig. Für mich war es tatsächlich gar nicht so einfach, Gabi und Valeriia die Zeit und vor allem Ruhe zu geben, sich in die jeweilige Episode einzufinden, ohne wieder in gewohnter Manier voreilend das Zepter zu übernehmen. Als wir uns aber eingegrooved und gesehen haben, was für Bilder entstehen, wurden auch Gabi & Valeriia immer mutiger. Der Handlungs-Flow, innerhalb der kleinen Episoden, bekam ein Eigenleben und auch eine erfrischende Leichtigkeit.

Die Protagonistinnen Gabi und Valeriia sind zwei sehr starke Frauen, die die einzelnen Episoden dieser BILD-Geschichte mit ihrer ganz eigenen Emotionalität grandios ausgefüllt haben. Ich bin unfassbar Stolz auf alle beide und auch Dankbar, dass diese Bilder entstehen durften.

Übrigens auch die Episodenliste war ein Plus. Sie hat es für mich unfassbar einfacher gemacht, während des Shoots den „Roten Faden“ zu behalten. Ihr kennt vielleicht auch Shoots, bei denen man schlicht vergessen hat einen Teil der Ideen umzusetzen, weil man sich auf vieles gleichzeitig konzentrieren musste. Wenn es mal ins Stocken geraten ist, habe ich einfach souffliert und Anregungen gegeben, bis wir wieder im Flow waren. Es war faszinierend zu beobachten, wie innerhalb dieses Rahmens Bilder entstanden sind, die sehr lebendig und stimmig waren, da sie immer aus echtem Handeln resultierten. Aber auch Bilder entstanden sind, die ich mir so im Vorfeld nicht hätte ausdenken können!

Spannend war auch zu erleben, wie sich meine Rolle über diesen Prozess ein Stück weit vom Porträt-Fotografen zum Reportage-Fotografen gewandelt hat.

Für jede Bildgeschichte umsetzbar

Dieser Ansatz lässt sich tatsächlich für jeder Art von Bildgeschichte oder Bildstrecke umsetzen, egal ob es sich um eine kleine oder sehr komplexe Geschichte handelt. Es funktioniert überall gleich. Und man vermeidet dadurch auch, sowohl sich als Fotografen als auch die Protagonisten vor der Kamera zu überfordern und zu demotivieren:

  • Teile die Geschichte (das WAS) in kleine Episoden auf
  • Transportiere die Stimmung / die Vibes und
  • Überlasse das Ausfüllen der Handlung (das WIE) weitestgehend den Protagonisten

Auf dem Prüfstein

Diese Learnings habe ich übrigens jüngst beim Shooten eines kompletten Bild-Romans, “Sisterhood of Secrets” umgesetzt, für den ich mich mehrere Tage in einem opulent eingerichteten Herrenhaus eingemietet habe. Die Protagonistinnen waren Valeriia, die auch bei „Daydreams“ an Bord war und Ricarda. O-Ton Ricarda: „Ich hätte nicht gedacht, dass es bei diesem Programm, das wir uns vorgenommen haben, so easy sein wird. Dieses Entlanghangeln an kleinen Episoden hat so eine Leichtigkeit und ich habe mich nie überfordert gefühlt. Es hat, zusammen mit Vali, einfach so viel Spaß gemacht und mich immer wieder gehiped, weil es sofort Erfolgserlebnisse gab.“

Auch hier ist zwischen den beiden Protagonistinnen der Geschichte ein eigener Handlungsflow innerhalb der Episoden entstanden. Ricarda und Valeriia haben sich übrigens erst auf unser drei stündigen Autofahrt nach Rostock kennen gelernt. Der Bild-Roman “Schatten der Vergangenheit” wird Anfang nächsten Jahres herauskommen.

Diese Form, sich methodisch zu entlasten ermöglicht es mir, mich voll auf die Menschen, Stimmungen und Bildkomposition zu konzentrieren. Genau die Punkte, die dafür verantwortlich sind, ob ein Bild den Bildbetrachter berührt oder eben nicht.

Die komplette Bildgeschichte ist in gedruckter Form in “what happens next”, der Ausgabe 12 meines FineArt-Magazins veröffentlicht.

 

 

NEWSLETTER #05 // Dezember 2022

Triptychon – one picture, three views

Innerhalb meiner Bildstrecken entstehen durchaus auch komplexere Bilder, die ich für das Storytelling brauche. Dabei entstehen dann aber auch Bilder, bei denen ich einfach denke, sie wären zu fertig, zu auserzählt oder es sind zu viel Informationen zum gleichen Zeitpunkt.

Auch wenn Verfechter des perfekten Schnitts (zum Zeitpunkt der Aufnahme) die Hände über den Kopf zusammenschlagen könnten, bin ich mir nicht zu schade einem Bild im Nachhinein über einen neu gewählten Ausschnitt auch eine andere oder akzentuiertere Bedeutung zu geben, die mir vielleicht zum Zeitpunkt der Aufnahme gar nicht bewusst war. Nicht selten offenbaren sich bestimmte Facetten oder auch Erzählmöglichkeiten einer Geschichte, erst beim Legen der Bilder. Hier einmal als Beispiel ein Bild aus dem Shooting mit Gabi und Valeria, deren Geschichte ich in der kommenden Ausgabe meines FineArt-Magazins (issue 12) erzählen werde.

Hier könnte ich verschiedene Ausschnitte aus demselben Bild wählen um einen Teil dieser Episode zu erzählen, oder durch weglassen bzw. im Ablauf voneinander trennen auch Fragen beim Bildbetrachter provozieren, die beim Zeigen des kompletten Bildes vielleicht nie aufgeworfen worden wären. Dieser Ansatz mit einem Bild auf unterschiedlichen Ebenen zu experimentieren, als auch die Möglichkeiten auszureizen das „Kopfkino“ des Bildbetrachters anzuregen, finde ich für meine Arbeit unglaublich inspirierend. Vorausgesetzt es wird wohldosiert und stimmig eingesetzt. Wenn man sich für etwas begeistert, kann so etwas auch schnell mal zum Selbstzweck werden. Da gilt für mich immer noch „forms follows function“. Übrigens nicht wundern, das vollständige Ausgangsbild zeige ich hier bewusst nicht.

How I do it // „in between“ – die Sehnsucht nach dem Bild dazwischen

„In between“ ist ein wichtiger Teil meiner Bildsprache und somit auch ein Teil von mir. Ich bin fast schon obsessiv auf der Suche nach „dem Bild dazwischen“, das – auch wenn es einer Inszenierung unterliegt – wie beiläufig erscheint. Als würde der Bildbetrachter zufällig einer Geschichte oder eines Augenblicks beiwohnen. So entstehen mitunter narrative Bilder, die eine intensive Nähe […] mehr dazu gibt es HIER

Selected Works

Ich war mit Gabi in der Stadt unterwegs um eine Bildstrecke eher mondäner Art mit einem Hauch Pariser Flair einzufangen. Die komplette Bildstrecke gibt es HIER 

Newsticker

  • SWAN-Interview im SWAN-Magazine. Ich freue mich riesig, dass das SWAN-Magazine bei mir angefragt hat und ich so Teil der aktuellen Ausgabe, mit einem ausführlichen Interview und zahlreichen Bildern von mir, werden durfte. 
  • Es gibt ab sofort auch ein Angebot für ein individuelles Online-Coachings mit mir. Mehr dazu erfahrt ihr  HIER  
  • “what happens next” Ausgabe 12 meines FineArt-Magazins ist ab sofort vorbestellbar. „what happens next“ steht, mehr als jeder anderer meiner Bildbände, für das Thema Storytelling und Kopfkino. VÖ: 30. Januar 2023. Zur Ausgabe geht es HIER
  • Seven Days in Paradise (B-Auflage) zum SONDERPREIS von nur 14 EUR. Da die ursprüngliche Ausgabe bereits seit längerem ausverkauft ist, hier eine super Chance „Seven Days in Paradise“ zum Schnäppchenpreis einzusammeln. Zum Angebot geht es HIER

Buchempfehlung

“Crimes of Perception” von Mac Adams,

Seit vielen Jahren erforscht Mac Adams das narrative Potenzial von Fotografie und Installation, komponiert und konstruiert mysteriöse Szenen an der Grenze sozialer Normen. Potenzielle Tötungsdelikte, Opfer und mutmaßliche Attentäter bevölkern seine Kompositionen. Er präsentiert diese Geschichten in minuziös inszenierten Szenenbildern, jeweils in Form eines Diptychons (Zwei-Bilder-Story). Die Geschichte wird mit nur zwei Bildern erzählt und lässt gleichzeitig auch Fragen offen. Da ich selber in Geschichten denke und shoote, finde ich diesen konsequenten, teils auch plakativen Ansatz für narrative Bilder sehr inspirierend.

Die Bilder sind in den 1970er Jahren entstanden und werden in Form ungehefteter, zu einem Softcover zusammengelegten, Buchseiten (27x30cm), in einer bedruckten Box geliefert. Verlag: Editions du Regard, 2001. Ich hatte es jetzt zu einem Mickymouse-Preis bei einem bekannten Onlinekaufhaus erstanden, das seine Anfänge im Buchverkauf hatte. Wie ich grade nochmal meinen Kauf-Link aufgerufen habe, liegt der Preis jetzt bei Faktor drei. Ihr werdet bei der Online-Suche aber auch viele Bilder aus dem Buch im Netzt wiederfinden. Wer sich für narrative Bilder interessiert, für den ist es sicherlich eine Bereicherung.

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Wenn ihr besondere Anregungen, Themen oder Fragestellungen zu meiner Fotografie habt, schreibt es mir sehr gerne! per E-Mail. Vielleicht greife ich euer Thema ja bereits im nächsten Newsletter auf.

Danke für eure Aufmerksamkeit und euch eine gute Zeit

Euer Boris

 

Archiv

 

rendez-vous au Café Paris

Ich war mit Gabi in der Stadt unterwegs um eine Bildstrecke eher mondäner Art mit einem Hauch Pariser Flair einzufangen. Meine Interpretation des Art Noir. Da ich an diesen Stadtteil keine richtige Erinnerung mehr hatte, habe ich mich 30 Minuten vor der verabredeten Zeit eingefunden, um nach geeigneten Spots zu scouten und noch eine passende Tageszeitung einzusammeln. Die Vorbereitung hat sich gelohnt. Auch bei dieser Bildstrecke ist das “Mood” eher die Stimmung, die ich mit einem Pariser Stadtteil wie z. B.  Saint-Germain-des-Prés verbinde, als das ich fertige Bilder im Kopf hätte. Die entstehen dann erst im kreativen Prozess. Und ich lasse mich durch die Dynamik der Menschen vor der Kamera inspirieren. So entstehen Dinge, die ich gar nicht hätte planen können – welche aber schlussendlich zu etwas durchaus Interessantem führen.

 

 

„in between“ – die Sehnsucht nach dem Bild dazwischen

„In between“ ist ein wichtiger Teil meiner Bildsprache und somit auch ein Teil von mir. Ich bin fast schon obsessiv auf der Suche nach „dem Bild dazwischen“, das – auch wenn es einer Inszenierung unterliegt – wie beiläufig erscheint. Als würde der Bildbetrachter zufällig einer Geschichte oder eines Augenblicks beiwohnen. So entstehen mitunter narrative Bilder, die eine intensive Nähe aufbauen und so dem Bildbetrachter das Gefühl vermitteln dabei zu sein. Da ich überwiegend in Bildstrecken denke, ist mir dies auch in Bezug auf Authentizität sehr wichtig.

Wohlgemerkt gilt dies für meine Bilder, im Genre Porträtfotografie. Es gibt Fotografen, die es grandios verstehen, die bewusste Inszenierung in den Vordergrund zu stellen und Bilder entstehen lassen, die ich richtig feiere. Es ist nur nicht das Genre, welches mir entspricht.

Die Bilder mit Caro, die diesen Beitrag begleiten, sind zu einer Bildstrecke entstanden, die auch in gedruckter Form in meinem FineArt-Magazin issue 05 veröffentlicht wurde. Wenn dieser zarte Faden von Vertrauen so belastbar ist und alles irgendwie von selbst läuft und keiner sich erklären muss. Auch bei diesem Shoot mit Caro habe ich dies erleben dürfen. Sie sagte nur, lass uns mal was am Vorhang machen. Wir haben nicht gesprochen. Es war aber, als wären wir durch eine unsichtbare Leitung direkt miteinander verbunden. So sind im Flow diese wundervollen Bilder entstanden. Wie der letzte Spiegelschlag verklungen war, waren wir beide ein Stück weit Sprachlos und auch berührt von dieser Stimmung. Als wir die Bilder betrachteten, sagte Caro: „Für mich ist das unglaublich erotisch, so pur. Einfach ich. Das war Magie, oder?“ Ich hätte es besser nicht beschreiben können.

Kontrolle frisst Kreativität

Es gibt durchaus Fotografen, denen beim Abgeben der Kontrolle unwohl wird und die auch überzeugt sind, sie wären dann nicht mehr Gestalter des Bildes. Ich habe natürlich stets Ideen im Kopf, meistens viel zu viele und ich gebe einen gewissen Rahmen vor. Jedoch habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein Shooting, je mehr man es laufen lässt, umso besser und kreativer verläuft. Es sind dann meistens Stimmungen die ich einfangen bzw. transportieren möchte, als das ich bereits fertige Bilder im Kopf habe. Die entstehen dann oft erst im kreativen Prozess und der Interaktion mit den Menschen vor der Kamera. Und ich lasse mich gerne durch die Dynamik der Frauen vor meiner Kamera inspirieren. Tatsächlich stecke ich in diese „zufälligen Augenblicke“ sehr viel Achtsamkeit und Energie. Anders als in Kameratechnik, die ich für meine Bildergebnisse als absolut sekundär erachte.

Am Ende bin ich selbst davon überrascht, welche Bilder dabei entstehen. Besser und authentischer, als ich sie je hätte planen können.

Was sind meine Zutaten für „in between“?

Stimmung schlägt Perfektion

Eine Hauptzutat ist sicherlich die Stimmung zwischen den Menschen, die für gemeinsame Bilder antreten und das Vertrauen in das gemeinsame Schaffen, damit auch ein gemeinsamer Kreativitätsprozess umgesetzt werden kann. Wenn ich ein Bild betrachte, dann sehe ich, was zum Zeitpunkt des Auslösens zwischen zwei Menschen auf der Beziehungsebene stattgefunden hat. Mehr dazu findet ihr auch hier in meinem Beitrag: Modell-Kommunikation oder der „Pudelwohlfühl-Faktor”

Anders als beim eher handwerklich orientiertem Abarbeiten von Bildideen, ist es mir wichtig, dass ein gemeinsamer Flow entsteht. Auch ein Grund, warum ich in Bezug zu Kameratechnik sehr reduziert bin. Technik will betreut werden und erzeugt zusätzliche Barrieren. Ich hatte auf meiner Shootingtour nach Fuerteventura (die Grundlage für „Seven Days in Paradise“) tatsächlich nur eine Kamera und ein Objektiv am Start.

Mir ist es wichtiger, meine Energie auf die Menschen vor der Kamera zu konzentrieren, damit ein gemeinsamer und vertrauensvoller Flow entsteht, der die Kamera bestenfalls vergessen lässt. Für mich eine wesentliche Voraussetzung, damit Bilder mit Seele entstehen können.

Einen Rahmen schaffen

Wenn ich die „Bilder dazwischen“ bekommen möchte, muss ich dafür aber einen Rahmen schaffen. Heute nutze ich sehr oft den sequenziellen Einsatz von stimmigen Handlungsfolgen. Sprich sie posed nicht statisch für eine Bildidee, sondern tut ganz konkret etwas das Sinn ergibt. Beispielsweise anstelle nur die halb geöffnete Bluse anzufassen, knöpft sie diese tatsächlich auch auf oder zu. Den Blick entsprechend ihren Fingern folgend. Sie geht in ihren eigenen Flow der einer Handlung und Stimmigkeit folgt, ohne groß darüber nachdenken zu müssen, was wohl der Fotograf von ihr erwartet. Dies genau ist übrigens auch der Unterschied zwischen einem Abbild und einem Prozessbild. In punkto Authentizität liegen zwischen beiden oft Welten!

Dies funktioniert übrigens in allen Situationen. Schließlich folgt eine Bewegung im richtigen Leben ja auch immer einer Motivation bzw. einem Ziel. Wenn ich ihr innerhalb dieser Handlung die Kontrolle überlasse, wird sie diese mit ihrem ganz natürlichem Körpergefühl ausführen. Wie im richtigen Leben auch. Und genau diese lebendigen und echten Bilder brauche ich für meine Bildsprache.

Den Zufall provozieren

Jetzt muss ich diesen „Zufall“ aber auch provozieren um ihn einfangen zu können. Dafür shoote ich mit den Menschen vor meiner Kamera gerne im gemeinsamen Takt, der durch die Kameraauslösungen begleitet wird. Wie auch bei einem Tanz. Dies aber nicht im Dauerfeuer von Mehrfachauslösungen, sondern immer bewusst einzeln ausgelöst. In dem vollen Bewusstsein, dass ich die Kontrolle ein Stück weit abgebe und auf die gemeinsame Dynamik vertraue. Aber auch Bilder entstehen werden, die nicht brauchbar sind. Wie auch beim Tanz, unschöne Wechselschritte notwendig sind um die nächste Figur einzuleiten.

Ich nenne es den „Provozierten Zufall“! Würde ich jetzt nur konzentriert auf die Bilder hinarbeitet die ich im Kopf habe und auch nur dann auf den Auslöser drücken, werde ich „in between“ sicherlich verpassen. Eine voreilende Erwartungshaltung an das Ergebnis lässt uns vielleicht unfähig sein zu sehen, was noch alles für wundervolle Momente entstehen können. Erst wenn ich loslasse und schaue, wohin es mich führt, findet ein „gemeinsamer Tanz“ statt, dem sich auch die Menschen vor der Kamera hingeben können. Nur mit Ratio lässt sich dies nicht erzwingen. Wer einmal der Faszination des Tangotanzens erliegt, weiß, dass die gemeinsamen Bewegungen und die damit verbundene Interaktion KEINE Kopfsache ist.

Ein weiteres wichtiges Element ist es, diese Bilder „in between“ bei der Bildauswahl dann auch zu erkennen. Im Vergleich zu Bildern, die einen Hauch inszenierter wirken. Dieser Grat ist manches Mal extrem schmal. Da reicht bereits eine leicht unterschiedliche Augenposition um über stimmig und unstimmig zu entscheiden. Ich frage mich stets, glaube ich es ihr, was ich auf dem Bild sehe.

Wenn ihr es selbst erleben und erlernen wollt, es ist eine von diversen Techniken, die ich in meinen Workshops und Coaching vermittle. Mehr dazu siehe HIER

 

NEWSLETTER #04 // September 2022

Bilder mit kleinem Budget „Zero Reflection“ hängen

Heute gibt es einen Quicktipp, wie ich meine Bilder ohne Reflektionen hänge, wobei ich beim Rahmen achte und ob ein Passepartouts Pflicht ist. Den Beitrag dazu gibt es HIER

How I think about it // Kann ich Licht besser beurteilen, wenn ich das Kameradisplay auf SW stelle?

Was die Lichtsetzung angeht, bin ich ein absoluter Nerd und sehr anspruchsvoll, wenn es darum geht das Licht bereits bei der Aufnahme spannend in die Kamera laufen zu lassen! Deswegen ist das antizipieren der, beim jeweiligen Motiv, vorliegenden Lichtstimmung, meines Erachtens eines der „handwerklich“ wichtigsten Skills in der Fotografie. Warum das umschalten des Kameradisplays auf SW aber nicht zwingend zu besseren Entscheidungen bei der Lichtsetzung führt erfahrt ihr HIER

Selected Works

Hier gibt es eine Strecke mit Maike. Wir waren jenseits von Afrika in einem sehr coolen Wanderdünengebiet unterwegs. Die Bildstrecke gibt es HIER 

+++ SAVE THE DATE +++ Ausstellung und Ateliergespräch am 08. Oktober 2022

Ich möchte euch in mein Galerie- und Arbeitsloft einladen, um einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Es gibt eine Ausstellung mit ca. 25 Bildern von mir. Gleichzeitig feiere ich die Veröffentlichung meines letzten Bildbandes “in between”, zu dem ich dann auch ein paar Worte verlieren werde. Und es wird die eine oder andere Hintergrundinfo zu meinen Bildstrecken, sowie einen Life-Act zu meiner Arbeit geben. Natürlich seid ihr auch eingeladen eine schöne Zeit mit guten Gesprächen zu verbringen. Termin: 08. Oktober 2022 von 14:00 – 18:00 in Ritterhude. Die Veranstaltung ist kostenfrei. Aber Anmeldung bitte unbedingt per E-Mail da die Plätze begrenzt sein werden.

Newsticker

  • Es gibt wieder einen neuen Workshop-Termin. Am Sonntag, den 23. September 2022. Es sind noch Plätze frei. Mehr dazu gibt es HIER 

Buchempfehlung

Heute möchte ich euch “Maximum Shadow Minimal Light” von Gustavo Minas vorstellen. Der vielfach ausgezeichnete brasilianische Fotograf Gustavo Minas macht Entdeckungen dort, wo scheinbar schon alles bekannt ist. Subtil wirft der Meister des Lichts und der Schatten in den Straßen Brasiliens seinen Blick auf das Alltägliche und das Unspektakuläre und schafft mit seiner Bildsprache eine neue Welt. Obwohl Streetfotografie nicht mein Genre ist, haben mich die Arbeiten von Gustavo Minas sehr begeistert. Er ist in der Lage Gegebenheiten und Handlungen, die augenscheinlich nicht zusammenhängen, in extrem kurzer Zeit zu antizipieren und in einen gemeinsamen Kontext zu bringen. Dies dann auch noch brillant fotografiert! Da ich grade erst mehrere Bildstrecken in einer belebten Innenstadt geshootet habe, ist dieses Buch sehr inspirierend. Zu sehen mit welcher vermeintlichen Leichtigkeit seine Bilder entstehen, macht einen aber auch fertig! Was bei mir in der Fotografie meistens zu einem Ansporn und positiven Motivationsschub führt.

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Wenn ihr besondere Anregungen, Themen oder Fragestellungen zu meiner Fotografie habt, schreibt es mir sehr gerne! per E-Mail. Vielleicht greife ich euer Thema ja bereits im nächsten Newsletter auf.

Danke für eure Aufmerksamkeit und euch eine gute Zeit

Euer Boris

 

Archiv

 

Wie ich die Bilder in meiner Galerie “zero reflection” hänge

In meinem Galerie- und Arbeitsloft habe ich die Möglichkeiten einige Arbeiten von mir zu hängen. Ich habe den Luxus, mit jeder Ausgabe meines FineArt-Magazins, bei meiner Druckerei immer auch eine Reihe Großformate im Pigmentdruck auf mattem 170g GalaxiArt Samt mit drucken zu lassen. Diese ziehe ich dann für die Rahmung auf einen „Fixmount“ Selbstklebekarton (1,5 mm) auf.

Ich habe einen Rahmenhersteller (DEHA) gewählt, der ein sauber verarbeitetes Produkt zu einem guten Preis anbietet (mattschwarz, b 15, h 25). Was mich allerdings immer gestört hat, dass eine Spiegelung den Gesamteindruck trübt. Selbst bei hochwertigen Gläsern. Der Griff zu Museumsglas würde den Rahmenpreis locker verdoppeln. Und auch dieses ist nicht zu 100% reflektionsfrei. Aus diesem Grund hänge ich meine Arbeiten bei mir „glaslos“, also quasi „zero reflection“. Das Ergebnis überzeugt mich. Der Pigmentdruck kommt um Längen plastischer und stärker rüber, als hinter Glas. Da sich der Publikumsverkehr in grenzen hält, ist die Gefahr von Fingerpatschen eher gering. Etwas anderes wäre es sicherlich, wenn ich in einer Ausstellung die Exponate gleichzeitig abverkaufen möchte. Für mich ist es wichtig, dass meine Arbeiten hochwertig präsentiert werden. Ich würde aber für Museumsglas nicht das doppelte Budget in die Hand nehmen, wenn ich glaslos ein besseres Ergebnis erziele. Zumindest für meinen Anwendungsfall. Bei 20 Bildern ist die Preisdifferenz, ohne deutlichen Mehrwert, schon beträchtlich.

Bei Rahmenherstellern möchte ich den „Platzhirschen“ Firma Halbe nicht unerwähnt lassen. Halbe bietet hochwertige Rahmen mit einem Magnetverschluss an, der es ermöglicht das Bild schneller zu tauschen. Dies hat allerdings seinen Preis, dem man dem Produkt bei der Präsentation im Vergleich zu ebenso gut verarbeiteten Rahmen nicht ansieht. Wenn ihr regelmäßig wechselnde Ausstellungen bedient, ist die Abwägung zwischen Komfort und Budget sicherlich einen Gedanken wert. Da Halberahmen bei der Einlegetiefe exakt gerechnet sind, sollte mit einer Toleranzzugabe bestellt werden, die die max. mögliche Einlegetiefe auch für zukünftige Projekte (Druck, Träger und Passepartout) berücksichtigt. Bei geringeren Einlegetiefen kann dann mit Karton aufgefüllt werden. Da ich meine Bilder nicht monatlich wechsle, steht der Aufpreis für mich in keinem Verhältnis zum Nutzen. Das muss aber jeder für sich abwägen.

Mit Passepartout oder ohne? Hier trennen sich scheinbar die Geister. Wobei auch „namenhafte“ Fotografen, die zum einen das klassische Passepartout als das Mittel der Wahl propagieren, dann einen Teil ihrer Arbeiten plötzlich vollformatig präsentieren (Das Bild füllt den Rahmen komplett aus). Ich denke hier gibt es, wie auch sonst in der Fotografie, kein dogmatisches richtig oder falsch! Beim Format und der Rahmung gilt, wie auch für viele andere Punkte in der Fotografie: Es muss zu euren Bildern und der Bildaussage passen. Das eine kommt über ein Passepartout besonders zur Geltung, wo ein anderes Motiv über eine vollformatige Präsentation wesentlich intensiver wahrgenommen wird und die notwendige Nähe aufbaut. Letzteres gilt tatsächlich für viele meiner Bilder. Ich habe in meiner Galerie sowohl Bilder mit Passepartout (eher kleinere Formate), als auch größere Formate rahmenfüllend gehängt.

Übrigens die zwei unteren, angelehnten Bilder, sind noch unter Glas. Ich verwende das Hängesystem der Firma Leha. Die Bilder können auf jeder gewünschten Position mit transparenten Nylonschnüre gehängt werden.

 

Kann ich Licht besser beurteilen, wenn ich das Kameradisplay auf SW stelle?

Warum das umschalten des Kameradisplays auf SW nicht zwingend zu besseren Entscheidungen bei der Lichtsetzung führt.

Was die Lichtsetzung angeht, bin ich ein absoluter Nerd und sehr anspruchsvoll, wenn es darum geht das Licht bereits bei der Aufnahme spannend in die Kamera laufen zu lassen! Ich werde zu meinen SW-Bildern häufig befragt, ob ich diesen Look in der Nachbearbeitung erziele. Wer glaubt, er könne es in der Nachbearbeitung noch entscheidend beeinflussen, wird enttäuscht werden. Der primäre Lichtlook ist, wie viele andere wichtigen Aspekte, auch bei mir mit dem drücken des Auslösers festgeschrieben und die Kreativarbeit getan.

Deswegen ist das antizipieren der, beim jeweiligen Motiv, vorliegenden Lichtstimmung, meines Erachtens eines der „handwerklich“ wichtigsten Skills in der Fotografie. Bei natürlichem Licht entscheidet die Position des Modells zur Lichtquelle (dem Fenster) und die Lichtformung darüber, ob das Ergebnis polarisierend fleckig und überstrahlt, eher neutral flach oder richtig spannend im Licht- und vor allem im Schattenverlauf umgesetzt ist. Nicht die Knöpfchen an der Kamera! Ich muss mit den Schatten arbeiten und modellieren können. Außerdem beeinflusse ich mit der Lichtsetzung by the way auch die Plastizität des Gesichts und der Gesamtkomposition. Z. B. zu nah an der Lichtquelle oder einfach zu flach im Verlauf nehme ich dem Gesicht seine natürliche Plastizität. Man könnte auch etwas überzeichnet sagen, ein fein modelliertes Gesicht wird über eine unbedachte Lichtsetzung zum „Pfannen-Kuchengesicht“, was übrigens auch respektlos dem Modell gegenüber wäre. Auch einer der Gründe, warum sich Menschen auf Bildern nicht gleich wieder erkennen. All diese Kriterien haben aber nichts damit zu tun, mit welchem Preset ich das Bild in der Nachbearbeitung akzentuiere.

Aber zurück zu der Frage, ob ich den Lichtverlauf an einem auf SW-gestellten Kameradisplay besser beurteilen kann. Insbesondere, wenn das Ziel bereits die SW-Ausbelichtung ist. Diese Frage wird auch häufig in meinen Workshops gestellt. Ich persönlich teile diese Ansicht nicht! Auch wenn ich 90% meiner Bilder in SW präsentiere, fotografiere ich in Farbe, sprich – auch mein Kameradisplay / OLED-Sucher steht auf Farbe. Mit den Werkseinstellungen, ohne ein verzeichnendes Preset. Wenn Fotografen (auch namenhafte) behaupten, sie würden es in SW besser beurteilen können, vielleicht auch schon seit langem nur noch mit einer SW-Vorschau arbeiten, glaube ich, dass sie sich einfach nur daran gewöhnt haben das Licht jetzt in SW zu beurteilen. Das ist aber denke ich eher ein romantisches Gefühl, als dass es messbar wäre. Ich sehe und beurteile meine Umgebung schon mein ganzes Leben in Farbe, ich lese das Licht in einem Raum in Farbe und habe alle Informationen, die ich für die Lichtsetzung brauche. Warum sollte ich es plötzlich in diesen wenigen Sekunden, die ich auf einen SW-Display schaue, besser sehen? Dazu kommt noch, dass ein Farbbild in den Nuancen wesentlich feiner abgestuft ist, als ein SW-Bild. Ich bekomme auf dem Farbbild schlicht mehr und feiner abgestufte Informationen, auch zum Lichtverlauf, so dass ich auch die Schatten besser beurteilen kann. Was für meine Bildstimmung essenziell ist.

Wo ich allerdings uneingeschränkt mitgehe und dies gilt bei mir gleichermaßen für die gewählte Kameratechnik: Wenn es euch innerhalb des Prozesses mehr Freude bereitet die Bilder bereits in SW zu betrachten, um so auch schon ein Endergebnis in Händen zu halten, place any, dann ist dies absolut gerechtfertigt. Ich denke man sollte im Workflow so arbeiten, dass es einem Spaß macht und motiviert. Vorausgesetzt, man erzielt das gewünschte Ergebnis. Daraus zu schließen, man könnte das Licht für ein SW-Bild besser beurteilen, halte ich allerdings für sehr gewagt. Da ist, glaube ich, der Wunsch eher der Vater des Gedankens.

Wäre dem so, dann würde ich mich ernsthaft fragen wie die Fotografen, die über Generationen mit ihrer guten bis genialen Lichtsetzung in ihren SW-Bildern begeistern, dies überhaupt hinbekommen haben. Haben doch viele von ihnen analog fotografiert, ohne jemals vor dem Auslösen das Ergebnis in SW gesehen zu haben.

Ein gutes Auge fürs Licht und damit verbunden einer guten Lichtsetzung hat nichts mit der Kameravorschau in SW oder Farbe zu tun. Wer aus diesem Grund jetzt seinen Kamera-Display umschaltet oder gar zu einem SW Sensor greift, wird sich wahrscheinlich wundern oder gar enttäuscht sein, dass diese Maßnahme nicht zu dem gewünschten Ergebnis führt. Auch wenn „namenhafte“ Fotografen vielleicht gerne damit kokettieren, ungeachtet dessen, dass sie außerhalb der wenigen Minuten, in denen sie das mögliche Bildergebnis in SW betrachten, alle visuellen Eindrücke im Leben in Farbe sehen und beurteilen.

Werdet zu einem guten Beobachter für das, was ihr seht, was das Licht mit eurem Motiv macht und wie die Kamera es im Ergebnis einfängt um vom jeweiligen Ausgangspunkt die richtige Entscheidung zu treffen. In der Fotografie geht es oft nicht darum aus dem Stand ein perfektes Bild zu machen, sondern es geht um Entscheidungen, was ihr vom jetzigen Status quo – z. B. das Displaybild – verändern müsst um zu eurem Wunschergebnis zu kommen. Es sind unsere Entscheidungen und das resultierende Handeln, das kreative Prozesse voranbringt!! Das dies in der SW-Fotografie über der uns angeborenen Sicht in Farbe möglich ist, haben unzählige Fotografen, die für ihre grandiosen SW-Bilder bekannt sind, bewiesen.

Ich wünsche euch eine gute Zeit

Euer Boris

 

Jenseits von Afrika | Maike

Ich war mit Maike unterwegs. Diesmal in einem großen Wanderdünengebiet mit sehr skurrilen Strukturen, also ganz mein Ding! Falls die Frage aufkommen sollte, ich arbeite steht ohne weitere Hilfsmittel, wie Reflektoren, Kunstlicht usw. Wie immer nur meine Kamera und ein 50 mm Objektiv.