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Ein transparenter Chiffon als Stilmittel in der Aktfotografie
Ich arbeite innerhalb meiner Themenreihe „un|nude“ sehr gerne mit transparenten Stoffen und Kleidungsstücken. Die Transparenz wirkt wie eine Firnis, die ein Maler über sein Werk legt. Die Linien grenzen ab, öffnen aber auch den Blick für neues Terrain. Jedes Verschieben der Grenzen führt hier zu einer neuen Sicht auf Milena. Und die Leichtigkeit, die sie ausstrahlt.
Diese Strecke ist meine Interpretation der Aktfotografie und auch eine Verbeugung an dieses Sujet.
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Wenig Raum diszipliniert definitiv zu einer sorgfältigen Bild-Auswahl. Die Herausforderung für mich besteht darin, mich meinen Bildern zu stellen, auch den schlechten. Aus einer Fülle von Bildern, die ganz wenigen, aber essentiell relevanten herauszuarbeiten, macht etwas ganz Entscheidendes mit dir. Aber einmal alles auf Anfang.
Mit „Shades of Light“ geht die zehnte Ausgabe meines FineArt-Magazins „BORIS BETHGE“ an den Start. Anlass einmal inne zu halten um in einer Retrospektive die, über die Jahre, stetige Entwicklung meines Magazinformats zu beleuchten. Aber auch einen Blick in die Zukunft zu wagen. Das „BORIS BETHGE“ keine einmalige Ausgabe, sondern eine Sammel-Edition werden sollte, habe ich mit der „01“ signalisiert. Damit verbunden die Hoffnung, dass sie zweistellig wird. Da wollen und erreichen bekanntlich nicht immer Hand in Hand gehen, war für mich der Start in dieses Abenteuer nicht nur spannend, sondern auch mit Unsicherheit verbunden. Vieles war neu oder sollte neu erlernt werden. Die Vorfinanzierung war schon ein ganzer Batzen. Bei der Freigabe des ersten Druckauftrags hatte ich schon ein wenig „die Buxe voll“. Am meisten beunruhigt hat mich wohl der Gedanke, dass sich keiner für mein Magazin interessieren würde.

FineArt-Magazin "BORIS BETHGE" Ausgabe 01
Faszination Self-Publishing
Was hat mich getrieben ein FineArt-Magazin im Eigenverlag heraus zu bringen? Die eigenen Arbeiten in gedruckter Form zu publizieren ist denke ich ein Herzenswunsch eines jeden Fotografen. Man steckt gemeinsam so viel Zeit und Empathie in die Bilder. Online sind diese aber so flüchtig in der Wahrnehmung und vergänglich wie eine Eintagsfliege. Erst in gedruckter Form ist es ein Bild! und kann mit ALLEN Sinnen wahrgenommen und wertgeschätzt werden. Und es ist auch nach Jahren im Bücherregal greifbar, um es mit Euch hier auf den Bildern und Euch, die ihr meine Arbeit als Inspirationsquelle schätzt, zu teilen. Ich weiß noch, wie ich mich Anfang 2017 auf dem Weg gemacht habe. Um sowohl meinen Arbeiten als auch dem Vertrauen der Menschen vor meiner Cam gerecht zu werden, war mein Credo: Keine Kompromisse. Weder bei der Druckqualität, den Materialien noch bei Layout und Größe. Tatsächlich habe ich gut 7 Monate über das Format gebrütet. Darüber, welche Größe, Proportionen, welche Gestaltungselemente, welches Papier zu mir und meinen Bildern passen. Und auch speziell beim Layout: Die Verwendung eines Rasters um Ruhe in ein sonst abwechslungsreiches Layout zu bringen. Alleine die Blindprägung des Cover-Titels ist nicht nur ein Statement für guten Buchdruck, sondern schlägt auch bei den Druckkosten zu Buche. Es ist eine Hommage an die alte Buchdruckkunst und wird wie zu Gutenbergs Zeiten auf einem über 100 Jahre alten Heidelberger Zylinder gefertigt. Dass viele von euch nach dem Auspacken meines FineArt-Magazins als erstes mit den Fingern über den geprägten Titel streichen, zeigt mir, dass die Massage rüberkommt. Gleiches gilt für den Einklapper, der in raffinierter Weise gleich fünf Funktionen erfüllt. Wobei ich die fünfte Funktion als Abstandhalter zum trocknen der, mit Füllfederhalter signierten, Widmung durch Zufall entdeckt haben. Neben Inhalt und Format sind es für mich Alleinstellungsmerkmale wie diese, die einen Unterschied machen.

geprägter Titel
Prägewerkzeug für die Blindprägung des Titels einrichten
Prägung des Titels auf einem Heidelberger Zylinder
Last but not least: Der Pigmentdruck. Anstelle des, ab einer bestimmten Stückzahl, i.d.R. kostensparenderen, Offsetdruckes lasse ich meine FineArt-Magazine auf einer der neuesten Druckstrecken von Fujifilm, im FineArt-Pigmentdruck fertigen. Bitte an dieser Stelle richtig verstehen: Es gibt sowohl beim Digital- als auch beim Offset-Druck gravierende Qualitätsunterschiede. Und selbstverständlich gibt es auch qualitativ hochwertig umgesetzten Offsetdruck!!! „Offsetdruck“ ist aber per se kein Kriterium für Bildbandqualität. Ich finde es z. B. schwierig, wenn ein SW-Bildband mit „Highend-Offsetdruck“ bepreist wird und die „Farbe“ Schwarz drucktechnisch nicht vorhanden ist, weil alle Bilder unisono in eher flachen Graustufen ausgeführt wurden. Grade für SW-Bildbände finde ich Duo- und Tri-Ton-Verfahren sehr spannend, die es erlauben noch kontrastreichere und tiefenscharfe S/W-Bilder zu drucken. Quasi schwärzer wie schwarz. Den SW-Druck über 3 Druckplatten zu realisieren ist allerdings kostenintensiver. Es ist, denke ich, immer auch eine Frage des Budgets, der Gewinnerwartung und des eigenen Anspruchs an das Druckergebnis. Wie heißt es so schön: „Jeder Jeck ist anders.“ Eure durchweg positiven Feedbacks zu den Inhalten, der Druckqualität und den Gestaltungselementen bestätigen mich darin, keine Kompromisse zu machen. Dazu, dass auch ich auf diesem Pfad auf Abwege gekommen bin, erzähle ich euch später mehr.
Lehrgeld
„Die Streifen auf dem Umschlag sehen wir jetzt nicht als Reklamationsgrund. Papier ist halt ein empfindliches Produkt!“ Ja, neee!!! Die Wahl der ersten Druckerei war eher semi-optimal. Ich hatte mir eine regionale Druckerei ausgewählt. Da diese aber nur im digital Laserdruck (pulverbasiert) fertigen konnte, wurde der Druck an die Schwester nach Berlin verlagert. Trotz vollmundiger Qualitäts-Versprechen hatte wir bei der Umsetzung wohl doch ein unterschiedliches Verständnis für gute Druckkunst. Dort verfügte man zwar über die geeignete Technik (Pigmentdruck), Druckaufträge wurden da allerdings, ohne Herzblut, wie Pizzaflyer behandelt. Danach wusste ich zwar, worauf ich bei der Wahl eines geeigneten Druckpartners achten würde, hätte aber gerne auf diese Erfahrung verzichtet. Ihr seht, es ist nicht alles auf Anhieb glatt gelaufen. Der Exkurs mit einer „Online-Druckerei“ bei Ausgabe 06 war dann auch ein einmaliges Learning. Zugegeben, auch mich hat die Kosteneinsparung in den Fingern gejuckt. Die Wahl fiel auch auf einen, in der Community oft genannten, Empfehlungskandidaten, der auch mein Großformat mit gleichem Inhaltspapier Umsetzen konnte. Bei den Kriterien fallen bereits eine ganze Reihe an Anbietern, mit wenig Papierauswahl und Standardformaten wie DIN A4, heraus. Das Druckergebnis hat mich dann doch nicht überzeugt. So wurde ich dann wieder an mein Credo erinnert: Boris, keine Kompromisse.
Und es gab über die einzelnen Ausgaben hinweg Höhen und Tiefen. Bspw. die matte Cellophanierung des Umschlags ab Ausgabe 07 ist Top und sorgt sogar für ein noch plastischeres Relief bei der Prägung des Titels. Aber auch: „Moin Herr Bethge, wir haben grade das Papier geliefert bekommen, sieht irgendwie anders aus.“ So ist es, wenn der Hersteller Pleite macht und das Papier mit geänderter Spezifikation unter gleichem Namen vertrieben wird. Das Coverpapier musste tatsächlich aus unterschiedlichen Gründen im Verlauf der einzelnen Ausgaben 3-Mal gewechselt werden. Gut, wenn man dann einen Druckpartner hat, bei dem der Geschäftsführer mit seinem Druckerherz, wie ein Trüffelschwein nach einem Papierklon sucht oder die finale Farbanpassung an der Drucklinie persönlich begleitet. Hier hat sich in der Zusammenarbeit auch die regionale Nähe bezahlt gemacht. Grade in gefühlten „Krisensituationen“ gibt es mir ein gutes Gefühl sofort in ein persönlichen Dialog zu gehen.
Papierauswahl, ein hoch emotionales Thema
Wenn man sich nicht mit einem Standardpapier zufrieden geben möchte, hat man die Qual der Wahl unter unzähligen verschiedenen Papiersorten, die nicht nur im Preis variieren, sondern auch unterschiedlich Einfluss auf die Bildwirkung nehmen. Ich war in den ersten Gesprächen erschlagen, bar der Vielfalt. Ihr solltet unbedingt ein Papier wählen, dass zu euren Bildern und eurer Bildsprache passt. Wenn eure Bilder z. B. in die Richtung Fashion, Farbe und Magazinstyle gehen, könnte ein gestrichenes, glänzendes Bilderdruckpapier passen. Sind eure Bilder eher rough, SW und feine Details sind nicht so wichtig, würde ich vielleicht ein ungestrichenes / offenes Papier wählen. Ich habe mich für ein gestrichenes, mattes Papier mit einer feinen Struktur, analog guter FineArt-Prints, entschieden. Es wird den feinen Nuancen in meinen Bildern gerecht und die Struktur vermittelt ein haptisches Erlebnis. Und ich habe mich bewusst gegen ein rein weißes Papier entschieden und einen leichten Eierschalen-Farbton gewählt. Weiß wirkt sehr steril und würde nicht zu der emotionalen Bildstimmung meiner Arbeiten passen. Bei einer anderen Art der Fotografie kann es sehr wohl die bessere Wahl sein. Ihr seht, Papierauswahl ist hoch emotional und individuell. Ich habe bei der Suche nach einer geeigneten Druckerei jedes Gespräch auch dazu genutzt bereits über Papiere zu schauen und mit jedem Gespräch ein besseres Gefühl dazu bekommen. Wenn die regionale Nähe nicht gegeben ist, könnt ihr euch auch Papiermuster zusenden lassen. Gleiches gilt natürlich für alle anderen Parameter. Nutzt die persönlichen Gespräche um möglichst viel Input aber auch Ideen für eure Entscheidung zu gewinnen.

Strukturiertes FineArt-Papier
Feedback von außen
Dass ich in einer beruflichen Etappe auch im Bereich des layouten und produzieren von Printmedien unterwegs war hat mir hier unfassbar geholfen. Ich habe mir bei den unterschiedlichen Projektphasen aber immer wieder eine Sicht von außen dazu geholt und lasse auch andere über meine Bilder schauen. Meine Frau Anne ist da übrigens für mich ein wertvoller Sparringspartner. Tatsächlich würde ich jedem bei so einem Projekt empfehlen sich auch den Blick von außen einzuholen. Beispielsweise mit InDesign bin ich nach einem Crashkurs von Corinna super klargekommen. Da Corinna sich nicht nur vor meiner Cam wohl fühlt, sondern auch Mediendesignerin ist, hatten wir es mit einem Shoot verbunden. Zuerst haben wir einige Bildideen umgesetzt. Dann, nach lecker Pasta, hat sie mir die Grundzüge in InDesign gezeigt. Mein Layout hatte ich vorher bereits komplett entwickelt, so dass wir es nur noch in InDesign zum Leben erwecken mussten.

analoger Aufriss des Magazin-Layouts
Corinna war selbst in der ersten Ausgabe mit einer Bildstrecke zu „Tage am Meer“ vertreten, die wir in St. Peter-Ording geshootet haben. So konnte ich zusammen mit ihr auch gleich die Druckdaten für ihre Strecke setzen und habe super Tipps für das Handling des Programms bekommen. Damit ich die Handgriffe in meine „Birne“ bekomme, hat Corinna übrigens nicht einfach nur gezeigt oder vorgemacht, sondern hat mich machen lassen. Ich glaube ich habe in der Zeit danach nur dreimal eine Funktion erfragen müssen. Corinna: Ganz lieben Dank an dieser Stelle! Vom Shooten der Bilder, Kuratieren der Bildstrecken und Setzen der Druckdaten (in InDesign) bis zur fertigen Druck-PDF kann ich heute alle Schritte selber ausführen.

Behind the Scenes, SPO

Corinna, FineArt-Magazin "BORIS BETHGE", Ausgabe 01
Ein Format im stetigen Umbruch
Die Inhaltlichen Formate haben sich, zusammen mit mir, stetig weiterentwickelt. Seit ich Menschen fotografiere, denke ich tatsächlich in Bildstrecken. Ein Grund, warum ich in Ausgabe 01 und 02 ausschließlich komplette Bildstrecken gezeigt habe.

Mayté, FineArt-Magazin "BORIS BETHGE", Ausgabe 02
Für Einzelbilder, die mir sehr ans Herz gewachsen sind, habe ich in Ausgabe 03 die Rubrik „Lieblingsbilder“, heute „Selected Works“, ins Leben gerufen. Mit Ausgabe 04 habe ich begonnen, auch Themen-Monografien zu publizieren. In „Fifty Shades of Boris´ Light“ waren es 50 Bilder aus einem Langzeitprojekt. Alle im selben Raum, mit derselben Kamera, demselben Objektiv und offenblendig erstellt. Aber alle Bilder sehr unterschiedlich voneinander. Einzige Variablen: Die eigene Kreativität und der Mensch vor der Kamera.

FineArt-Magazin "BORIS BETHGE", Ausgabe 04, „Fifty Shades of Boris´ Light“
Mit Ausgabe 06 gab es wieder einen Perspektivwechsel. Die außergewöhnlichen Bildstrecken in „Seven Days in Paradise“, unserer Shooting-Tour nach Fuerteventura, wurden chronologisch aufgebaut, wie ein kleines Tour-Tagebuch. Kleine Anekdoten sowie wertvolle Tipps zur Planung und Umsetzung für eure eigene Shooting-Tour, kamen als ergänzende Elemente hinzu. Auch Corinna hat ihre Sicht mit eingebracht und berichtet nicht nur von meinen optimistischen „nur 20-Minuten-Fußmärschen“. So konnte ich euch in einer sehr kurzweiligen Weise mit auf die Reise nehmen.

Corinna, FineArt-Magazin "BORIS BETHGE", Ausgabe 06, "Seven Days in Paradise"
Ausgabe 09 „Merlin and the Nudes“ ist ebenfalls als außergewöhnliche Themen-Monografie aus einem 14-monatigen Langzeitprojekt heraus entstanden. Übrigens, wenn ich den Begriff „außergewöhnlich“ verwende, ist es im buchstäblichen Sinne gemeint. Es geht mir hier nicht um eine Qualifizierung. Dieses Thema ist in dieser Form fotografisch noch nicht behandelt oder publiziert worden.


Mayté, FineArt-Magazin "BORIS BETHGE", Ausgabe 09, "Merlin and the Nudes"
In den Ausgaben dazwischen immer wieder sehr unterschiedliche Bildstrecken und Einzelbilder. Mein besonderes Augenmerk liegt nach wie vor auf einer sorgfältigen Auswahl der Bilder und Diversität für das Storytelling. Übrigens war auch bei mir der Drang groß, die „teuer bezahlten“ Seiten optimal zu nutzen. Mittlerweile gibt es aber bewusst eingesetzten Leerraum sowie Leerseiten um den Betrachter zu entschleunigen und auch den Bildern mehr Luft zum Atmen zu geben. Es lohnt sich! So erscheinen alle FineArt-Magazine in meiner Sammelreihe in einem wohltuend konsistenten Rahmen. Sind aber inhaltlich im ständigen Umbruch und inspirieren mit immer neuen Akzenten. Ich hatte mein Magazin bereits 2018 als den „Wolf im Schafspelz“ tituliert. Es kombiniert sowohl die Leichtigkeit und den Spirit eines MAGs als auch das Gefühl einen hochwertigen Bildband in Händen zu halten. In dieser Kombination einzigartig.
Da ich der Ansicht bin, dass Farbe in meinen Bildern oft zu geschwätzig ist, veröffentliche ich den größten Teil meiner Arbeiten in SW. In der Bildstrecke „Gezeiten“ mit Sorina, aus Ausgabe 10, ist der Schwerpunkt bewusst auf Farbe gelegt. Viele Dieser Bilder transportieren die Stimmung tatsächlich in Farbe mit Abstand am besten. Besonders bei offenblendigen Gegenlichtaufnahmen fällt mir oft auf, dass Feinheiten im Streulicht über die Ausbelichtung in SW verschluckt werden oder zu flacheren Ergebnissen führen. Letzteres wäre für meine SW-Fotografie fatal, da ich sowohl feine Details als auch ein knackiges Schwarz in meinen Bilder umsetzen möchte.

Sorina, FineArt-Magazin "BORIS BETHGE", Ausgabe 10, "Shades of Light"
Klasse statt Masse
Das Format ist bewusst in der Seitenzahl limitiert. Ich möchte lieber regelmäßig aktuelle und gut ausgewählte Strecken sowie Selected Works zeigen, als mich dem Diktat des Seitenfüllens zu unterwerfen. Das überlasse ich Anderen. So bin ich auch viel näher an dem aktuellen Stand meiner Entwicklung. Wobei durchaus auch Bilder aus früherer Zeit den Weg ins Magazin finden, wenn sie für mich immer noch wichtig und relevant sind. Der Gegenpart dazu wäre z. B. ein 400-seitiges Buch beliebig mit Bildern zu füllen. Zugegeben etwas überzeichnet, aber wenig Raum diszipliniert definitiv zu einer sorgfältigen Bild-Auswahl. Da entstehen für das Publikum schnell einmal unliebsame Längen. Die Herausforderung für mich besteht darin, mich meinen Bildern zu stellen, auch den schlechten. Aus einer Fülle von Bildern, die ganz wenigen, aber essentiell relevanten herauszuarbeiten, macht etwas ganz Entscheidendes mit dir. Du begegnest dir und deinen Bildern auf einer sehr intensiven Weise. Das ist übrigens nicht immer angenehm. Die ausgewählten Bilder und Bildstrecken müssen allen eigenen Gedanken dazu standhalten. Dieser Prozess ist nicht nur der zeitaufwändigste, sondern meines Empfindens nach auch der wichtigste. Die Auseinandersetzung, innerhalb von hunderten von Bildstrecken und Bildern, hat meinen Blick immer wieder ein Stück weit verändert und geschult. Und natürlich mache auch ich Fehler, zu Beginn und sicherlich auch heute noch! Aber ich gehe aus jedem dieser Prozesse mit neuen Gedanken heraus. Ich bin übrigens davon überzeugt, dass es Fehler gibt die man selber machen muss um sich persönlich weiter zu entwickeln. Da hilft keine Abkürzung und anders wie bei Social Media sind es Formate wie diese, die dazu motivieren mich intensiver mit mir selbst auseinander zu setzen. Hier trennt sich nicht selten die Spreu vom Weizen.
Anti-Social-Media
Bilder in diesem Print-Format zu veröffentlichen, war für mich auch ein entscheidender Schritt aus der inflationären und schnelllebigen Welt des Social Media auszubrechen. Auch hier bitte richtig verstehen: Social-Media ist Fluch und Segen zugleich und ohne Social Media würde mich sicherlich kaum einer hier kennen! Der Drang immer gleich etwas auf meinem Feed zeigen zu müssen, hat aber spürbar abgenommen. Dieser Gegenpol hat sehr viel Ruhe in mein Schaffen gebracht. Ich habe mich wieder viel mehr auf die Inhalte konzentriert und den Wert meiner Arbeit nachgespürt, ohne den Gedanken daran, wann es denn veröffentlicht werden sollte. Und anders wie im Social-Media-Feed, kann man die Dramaturgie innerhalb einer Print-Publikation wesentlich gezielter steuern. Ich habe hier eine „Schätzchen-Schublade“ mit kompletten, unveröffentlichten Bildstrecken, ohne dass es mich drängt, sie sofort zeigen zu müssen. Wenn die Zeit reif ist, werden die Strecken und Einzelbilder ihren Weg finden. Übrigens, wie ihr seht, mag ich es bei der Bildauswahl „analog“. Ich drucke relevante Strecken aus und mache die finale Bildauswahl bzw. Vorauswahl mit den Ausdrucken. Bringe sie zu meiner Idee einer Story in eine Reihenfolge und notiere mir ggf. auch Gedanken zu Assoziationen, Bildschnitt o. ä. auf dem Ausdruck. Oft liegen die Bild-Strecken Tage oder Wochen hier herum, damit ich sie auch immer wieder mit zeitlichem Abstand betrachten kann. Nicht selten positioniere ich Bilder wieder um. Ich finde es spannend auszuprobieren, ob Bilder nach dem herausnehmen wirklich fehlen und wie eine unterschiedliche Reihenfolge in meiner Wahrnehmung die Story verändert.

Planschrank in meinem Galerie- und Arbeitsloft

Bildauswahl "Analog"

Böse Zungen behaupten ja, Studiokater Merlin würde die Bildauswahl für mich machen
Blick in die Zukunft
Eure, in Teilen auch sehr tiefgehenden, Feedbacks zu Inhalt, Qualität und der Relevanz meiner Bildbände bestärken mich darin auch zukünftig keine Kompromisse einzugehen. Schon vorab: Selbstverständlich werde ich meine Arbeiten weiter in diesem Format publizieren. Ausgabe 01 bis 04 sind mittlerweile ausverkauft und avancieren zu Sammlerstücken. Eine Entwicklung, die mich sehr stolz und unfassbar glücklich macht. Aber auch mit Dankbarkeit verfüllt. Das zeitlose Layout hat sich bei den unterschiedlichen Schwerpunkten und Perspektiven meiner Arbeit über alle bisherigen Ausgaben bewährt. Hier werde ich sicherlich auch hinzukommende Formate einbetten können. Wenn ich ein Blick in die Zukunft wage, gibt es bereits neue Inhalte und auch Formate, die ich mir vorstellen kann.

FineArt-Magazin "BORIS BETHGE", Ausgabe 10, "Shades of Light"
Ein Ende letzten Jahres gestartetes Langzeitprojekt wird im doppelten Sinne in eine Monografie münden. Es beleuchtet die ungezähmte Leidenschaft einer jungen Frau zum Tanz. Ein weiteres Projekt zum Thema „Selbstliebe“ steht in den Startlöchern.
Ich könnte mir gut ergänzende Formate vorstellen, wie beispielsweise: Behind the Scenes, How I do it (Infos oder Tutorials über meine Arbeitsweise, ergänzend zu konkreten Strecken oder Projekten), ein Interview-Format mit einer Protagonistin oder vielleicht auch ein „Werkstattbuch“ zu einem meiner Langzeitprojekte. Da gibt es durchaus schon Ideen, die ich wohl dosiert zu bereits geplanten Projekten aufgreifen möchte. Die Texte werden aber auch zukünftig nur ganz dezent eingesetzt um den Bildern Raum zu lassen und nicht alles auszuerzählen. Sicherlich werden innerhalb des Formats meiner FineArt-Magazine auch wieder Akzente hinzukommen, die sich einfach durch die stetige Entwicklung meiner Fotografie „aufdrängen“. So ist die Arbeit für und an meinem FineArt-Magazin auch ein wichtiger Sparringspartner und stetiger Next Level meiner Entwicklung. Es bleibt sicherlich spannend und inspirierend.
Ich gebe übrigens mein geballtes Wissen zu dem kompletten Prozess, von der Idee bis zur Veröffentlichung eurer eigenen MAGs oder Bildbände, in Form eines eigens dafür entwickelten Coaching-Formats, an euch weiter. „Print & Publish your own Photobook“
Ich wünsche Euch eine gute Zeit
Euer Boris
hier im Shop geht es zu meinen
FineArt-Magazinen. greift zu!
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Authentizität oder auch Stimmigkeit ist mir in meiner Bildsprache sehr wichtig. Auch wenn es um Posing, besser noch „Nicht-Posing“ geht. Genau hier hat mir Studiokater Merlin in die Hände gespielt. Bevor jetzt die Frage kommt, was der Kater denn jetzt mit meiner Porträtfotografie zu tun hat, einmal alles auf Anfang.
Das Initial war ein Shooting mit Nicole, in das sich Kater Merlin hineingeschummelt hatte. Wir hatten Merlin wenige Wochen zuvor in unsere Familie aufgenommen. Ich fotografierte Nicole gerade liegend, als Kater Merlin durch die Tür kam und zielstrebig auf sie zu tapste. Dieses Strahlen, das diese Begegnung auf Nicoles Gesicht zauberte, war bemerkenswert.
Merlin ist übrigens sehr kontaktfreudig, so dass die beiden unbeschwert miteinander agiert haben. So ist innerhalb des von mir gesetzten Rahmens, zwischen Merlin und Nicole, eine eigene Handlung entstanden. Es war also nicht nur die Interaktion zwischen mir als Fotografen und Nicole vor der Kamera, sondern auch zwischen ihr und Merlin als zusätzlichen Protagonisten. Die besondere Stimmung und vor allem die außergewöhnlichen Bilder die dabei entstanden sind, haben mich begeistert. Darüber hat der Kater sich als Mitarbeiter des Monats qualifiziert und ist zu „Studiokater Merlin“ aufgestiegen.


Auch wenn ich ein Stück weit ausgeblendet wurde, gab es einen feinen Kommunikationsfaden zu Nicole. Es fühlte sich irgendwie an wie ein Wechselspiel zwischen einem Portrait-Shoot mit sehr viel Nähe und einer Reportage von der Seitenlinie aus. Jetzt war ich natürlich sehr neugierig, ob dieser Effekt eine Eintagsfliege bleibt oder reproduzierbar wäre.
Bei den kommenden Shoots habe ich Merlin, immer wenn seine Neugierde die Oberhand bekam, für ein bis zwei Settings mit eingebaut. Im Anschluss sind auch wieder Bilder ohne Kater entstanden. Das war der Start für das Langzeit-Projekt „Merlin and the Nudes“, das mich bis hierher 14 Monate lang begleitet hat.


Essentiell für mich ist, was Merlins Anwesenheit mit uns Menschen und im Besonderen mit Frauen macht, die bekanntlich über sehr feine Antennen verfügen. Und wie dieses zusätzliche Element die Bildstimmung beeinflusst und neue Facetten erst möglich macht. Ein Aspekt dazu ist sicherlich die Eigendynamik, die bei den Frauen ein natürlicheres Verhalten provoziert und darüber zu noch authentischeren Bildern führt. Dies macht es sehr reizvoll für mich.
Studiokater Merlin sorgt durch sein Wesen für spannende Variablen innerhalb des Zusammentreffens. Es bringt auf der einen Seite eine Leichtigkeit und Eigendynamik in den Shoot, zum anderen aber ist die Inszenierung, Bildaufbau usw. ungleich schwerer. Wenn man einer Katze eine Anweisung gibt, nimmt sie es zur Kenntnis und kommt vielleicht später darauf zurück. Es ist in keiner Weise vorhersehbar und benötigt noch mehr Geduld und Empathie.

Für Fotograf*innen, deren Fokus eher auf der technischen Umsetzung und der Kontrolle über das Geschehen liegt, ist es sicherlich eine interessante Erfahrung, zu erleben, dass los- oder laufenlassen zu anderen Bildergebnissen führen kann. Bilder, die man sonst vielleicht nicht bekommen würde.
Eine Katze am Set ist übrigens auch ein Indikator für die Stimmung während des Shoots. Katzen sind da kompromisslos und unbestechlich. Sie haben ihren eigenen Kopf. Wie heißt es so schön: „Hunde haben Herrchen, Katzen haben Personal.“ Wenn die Stimmung am Set nicht passt, würden auch diese besonderen Bilder nicht entstehen. Wenn aber alles passt, sorgt dieses sympathische Fellknäul wie ein Turbolader dafür, dass es noch entspannter und vor allem noch ungestellter wird.
Wenn dem Kater langweilig wurde, hat er sich einfach wieder ausgeblendet. Manches Mal auch nur in die Ecke gelegt, um das Treiben zu verfolgen oder ein Mittagsschläfchen zu machen.


Dieses Projekt ist übrigens kein Ausflug in die Tierfotografie. Ich bleibe ich meinem Sujet „Akt-Porträt“ treu. Da gilt: „form follows function“, in meinem Fall: „form follows mindset“. Ich kann aber für meine Bildsprache auf zusätzliche Elemente zugreifen. Hinzu kommt, dass Merlin als weiterer Protagonist in Tiergestalt den Interpretationsspielraum der Bildergebnisse erweitert. Ein interessanter Aspekt dazu ist sicherlich auch das Thema Projektion.
Wir sehen die Welt, wie wir selbst sind und sind in unserer Wahrnehmung durch unsere persönliche Einstellung limitiert. Darüber, was uns geprägt hat und in uns steckt. Vereinfacht ausgedrückt: Wir schauen durch eine gefärbte Brille. Dies ist, denke ich, auch ganz essentiell für die eigene Bildsprache. Eine sehr spannende Frage dazu für mich: Welche Rolle projiziert sowohl der Fotograf (also ich) sowie auch das Publikum, über den zusätzlichen Protagonisten in Tiergestalt in die Bilder? Und sei es vielleicht auch nur unbewusst über die Bildauswahl.
Betrachtet die Bilder auch einmal gezielt unter diesem Aspekt. Vielleicht fällt Euch auf dem einen oder anderen meiner Bilder etwas dazu auf. So ist aus der Begegnung mit Merlin und 13 einzigartiger Frauen eine außergewöhnliche Themen-Monografie entstanden. Die Bildergebnisse sind in meinem FineArt-Magazin, Ausgabe „Merlin and the Nudes“, in gedruckter Form veröffentlicht.

Informationen zum Magazin
zum Shop geht es HIER: „Merlin and the Nudes“
Sprache: Deutsch
Einband: Softcover
Seiten: 72 Seiten, Pigmentdruck auf mattem 170 g GalaxiArt Samt
Maße: 24 x 32 cm
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Mein Image-Berater hatte mir zwar abgeraten Bilder in Farbe zu zeigen, ich habe mich mit dieser Strecke von Sophie aber doch getraut. Eine Bildstrecke in Farbe, für einige die mir schon länger folgen ungewohnt. Das liegt sicherlich auch daran, dass ich überwiegend Bilder oder Bildstrecken in SW veröffentliche. Umso mehr freue ich mich über die Reaktionen. Besonders wenn auch Farb-Bilder über meine Bildsprache erkannt werden.
Ich dachte zunächst, oh, ein Boris. Aber kann ja nicht, ist ja Farbe. Aber hoppla, ist ja doch ein Boris. Farbliche Weihnachtsüberraschung. Michael Scharrer









02
Wir sprechen über die Fotografie mit natürlichem Licht. Wie entstehen Portraits , die echt sind. Bilder, die berühren. Wir sprechen über mein Herzensprojekt, die FineArt-Magazine, die Auswahl der passenden Bilder, das Fotografieren in Bildstrecken, das Kuratieren der Magazine, das Vertrauen bei Fotoshootings und noch viel mehr.
Zu Gast bei meinem Namensvetter Boris Mehl sprechen wir auch darüber, dass Fotografie viel mehr als das Beherrschen der Technik ist. Ketzerisch: Die Technik ist für mich so ziemlich das unwichtigste. Neben dem Licht sehen, ist die Kommunikation mit dem Modell ausschlaggebend für gelungene Bilder. Das Vertrauen zwischen Fotograf und Modell ist entscheidend für Bilder, die berühren.
Der Unterschied, Bilder nur am Monitor zu sehen oder auch etwas gedrucktes in Händen zu halten, ist enorm! Ein gedrucktes Bild wirkt um Längen besser, als ein flüchtiges Betrachten am Handy oder Bildschirm. Wir sprechen darüber wie ich dazu komme, ein FineArt-Magazin heraus zu bringen, welche Schwierigkeiten damit verbunden sind und was das Denken in Bildstrecken mit dem Fotografen macht.
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Im Schnack mit Ulf Krueger gebe ich einen Exklusiven Einblick „Behind the Scene“ zur Entwicklung eines Bildbandes am Beispiel meines FineArt-Magazins „BORIS BETHGE“. Was ist meine persönliche Motivation. Entwicklung der Grundidee sowie des Formats wie: Abmessungen (Super Gau DIN A4), Qualität, Layout, besondere Akzente meines Mindsets und USPs und Gestaltung der Inhalte. Erstellung der Druckdaten. Worauf ist bei der Suche eines Druckpartners und der Drucktechnik zu achten? Administrationsaufwand, Tipps für eure eigenen Publikationen. Und noch viel mehr.
Solltet ihr euch selber mit dem Gedanken tragen etwas in gedruckter Form zu veröffentlichen lohnt Reinhören definitiv!
HIER geht es zur Sendung
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Jeder der sich auf den Weg macht seine Arbeiten in gedruckter Form zu publizieren steht irgendwann vor der inhaltlichen Bildauswahl und vor der Aufgabe diese in einen Kontext zu stellen. Sprich: „Welche Bilder genau sollen aus der Vorauswahl in welcher Reihenfolge, welchem Schnitt usw. ausgewählt und entsprechend platziert werden, um genau das was mir dazu im Kopf herumschwirrt zu transportieren?“ Als Auflockerung habe ich hier Bilder aus einer Strecke mit der bezaubernden Caro beigemischt. Im groben folgt dies sicherlich der konzeptionellen Idee für eine Publikation wie z. B. einem Bildband, einer Ausstellung oder vergleichbares. Es ist meines Erachtens eine der wichtigsten und intensivsten Aufgaben in Projekten dieser Art. Nun lese ich in diesem Zusammenhang immer wieder Statements wie: „Ein Bildband, eine Ausstellung (place any) sollte durch einen Kurator (respektive Dritten) kuratiert werden!“Im Sinne, dass der Prozess der finalen Bildauswahl, Reihenfolge u. ä. durch einen Dritten mit entsprechender Expertise ausgeführt wird.
IST DAS WIRKLICH SO?
Bevor ich meine Arbeiten selber in gedruckter Form publiziert habe fand ich dies durchaus stimmig. Es gibt sicherlich auch Gründe die dafürsprechen. Ich teile diese Meinung mittlerweile aber nicht mehr. Wohlgemerkt, wenn es um meine Projekte geht. Vielleicht stehe ich damit auch alleine, who knows. Ich möchte dazu aber gerne meine Gedanken mit euch teilen, warum es mir für meine persönliche Entwicklung aber auch für ein authentisches Ergebnis wichtig ist, meine Bildbände selbst zu kuratieren.
Was genau macht bei unseren Bildern den Unterschied zu denen anderer Fotografen? Hauptsächlich unsere persönliche Prägung – unser Mindset! Etwas vereinfacht: Unsere ganz persönliche „Brille“, durch die wir unsere Umwelt wahrnehme. Ich fotografiere die Menschen nicht wie sie sich sehen oder andere, sondern wie ich sie sehe. Und Genau hier sind wir bei des Pudels Kern:
KEINER SCHAUT DURCH MEINE BRILLE


Was für einzelne Bilder gilt, wirkt sich natürlich noch differenzierter beim Storytelling in Form von Bildstrecken aus. Wenn es um meine Kunst geht, sieht es keiner so, wie ich es sehe – wie sollte dies auch gehen. Die Ignoranz dieser Wahrheit ist übrigens auch ein Grund für endlose Richtig- und Falsch-Diskussionen, wenn es um vermeintliche Bildkritik geht. Dies aber nur am Rande.
Was bedeutet es konkret, wenn ich die Entscheidung für Auswahl und Kontext einem Dritten überlasse? Seine Kompetenz dazu mal ganz außen vorgelassen. Ich gehe bei einer Zusammenarbeit immer Kompromisse ein! Kann ja auch nicht anders sein, für diese Aufgabe wurde er ja mit ins Boot geholt. Das Ergebnis kann durchaus gut werden. Für einen Außenstehenden sogar leichter konsumierbar bzw. auch stimmiger, wenn es um Massen-Kompatibilität geht, aber:
DAS ERGEBNIS WIRD EIN ANDERES UND NICHT MEHR MEIN WERK SEIN!
Das ist für mich der entschiedenste Knackpunkt. Um da nicht zu kurz zu springen, möchte ich meine Gedanken gerne noch etwas differenzieren. Es gibt sicherlich Gründe sein Werk kuratieren zu lassen. Dies können Vorgaben in einem Projekt sein. Vielleicht auch strategische Gründe. Es ist Teil des Schaffens als Berufsfotograf – ein Job an dem auch meine Existenz hängt o. ä. Es wäre auch blauäugig zu behaupten jeder hätte die Wahl und das Budget sich einen Kurator zu leisten. Wobei mir hier eine kleine Randbemerkung erlaubt sei: Begriffe wie Kurator und Kuratieren werden mir teilweise zu inflationär und auch mal sehr vollmundig aus dem Zusammenhang verwendet. Ich verwende diese Begriffe auch nur hier, um den roten Faden zu behalten. Hier gilt es sicherlich abzuwägen: „Wieviel persönliche Egozentrik kann ich mir leisten?“ Da ich nicht davon leben muss, habe ich natürlich gut reden. Um hier aber nicht Äpfel mit Birnen zu vermischen, möchte ich es tatsächlich aus der Position heraus betrachten, dass ich die Wahl habe. Sonst wird es unscharf.


Ich arbeite mittlerweile an meinem siebten, selbst kuratierten, Bildband. Inhaltlich überwiegend in Form von Bildstrecken.
Es wird diesmal aber auch wieder eine Rubrik mit ausgesuchten Einzelbildern geben. Tatsächlich würde ich jedem bei so einem Projekt empfehlen sich auch externen Rat einzuholen. Ich habe mir bei den unterschiedlichen Projektphasen immer wieder eine Sicht von außen dazu geholt und lasse auch Dritte über meine Bilder schauen. Und natürlich mache auch ich Fehler, zu Beginn und sicherlich auch heute noch! Aber ich bin davon überzeugt, dass es Fehler gibt die man selber machen muss um sich persönlich weiter zu entwickeln. Mit Corinna, die mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsen ist, hätte ich tatsächlich sogar jemanden in meinem Umfeld an den ich es abgeben könnte. Sie fühlt sich nicht nur vor und hinter der Cam wohl sondern ist auch eine erfahrene Mediendesignerin. Corinna hat mir bei Adobe InDesign, das Programm in dem ich meine Druckdaten setze, aufs Pferd geholfen. An dieser Stelle noch einmal ganz lieben Dank! Aber den Prozess der Bildauswahl bis hin zur Platzierung jedes einzelnen Bildes würde ich nicht aus der Hand geben wollen. Es ist einer der wertvollsten Entwicklungsprozesse und entscheidet darüber wieviel von mir dann noch im Ergebnis steckt.
Ich bin zu 100% für das Ergebnis verantwortlich. Auch für die Dinge, die vielleicht noch nicht gut umgesetzt sind. Ich kann mich nicht mehr verstecken und muss mich meiner Selbstkritik stellen. Dieser Prozess immer wieder aus Neue abzuwägen macht etwas ganz Entscheidendes mit dir. Du begegnest dir und deinen Bildern auf eine sehr intensive Weise. Die ausgewählten Bilder und Bildstrecken müssen allen eigenen Gedanken dazu standhalten.
Wer sich jetzt sagt: „Ich kann am Ende auf das fertige Ergebnis ja immer noch Einfluss nehmen!“ Nein, könnt ihr nicht wirklich! Sobald ihr diesen Prozess an einen Dritten abgebt, habt ihr für Euch bereits entschieden ein Stück weit die Verantwortung abzugeben und Kompromisse zu akzeptieren. Und ihr seit den essenziellen Weg des ständigen Abwägens nicht selber gegangen. Jetzt könnt ihr natürlich noch ein, zwei Bilder anders platzieren. Es ist aber nicht mehr zu 100% euer Werk.
KEINER SCHAUT DURCH MEINE BRILLE


Mich hat dieser Prozess immer wieder aufs Neue unfassbar weitergebracht und mit jedem neuen Bildband konnte ich weiterwachsen. Für mich ein ganz wichtiger NEXT LEVEL in meiner Entwicklung.
In diesem Zusammenhang sollte noch erwähnt werden, dass Peter Lindbergh mit „Untold Stories“ erstmals eine Ausstellung komplett selbst kuratiert hat. Ich kann euch dazu nur wärmstens das Interview von Felix Krämer mit Peter Lindbergh ans Herz legen (veröffentlicht im Ausstellungskatalog zu „Untold Stories“). Hier Beschreibt Peter Lindbergh wie intensiv und tiefgreifen die Erfahrung war, die er beim Kuratieren von „Untold Stories“ gemacht hat. Wie wertvoll dieser Prozess für ihn war. Und wie es ihn oftmals an seine eigenen Grenzen geführt hat. Auch wenn euch euer Projekt kleiner und überschaubarer erscheint, die Konsequenz daraus ist die gleiche.
Peter Lindbergh: „Ich fühle mich für jedes einzelne Foto in meiner Ausstellung total verantwortlich und das ist fantastisch. Ich hatte nichts, um mich dahinter zu verstecken.“ „Aber jetzt, da ich diese Aufgabe allein bewältigen muss, tun sich Tiefen auf, mit denen ich mich intensiv beschäftige und die mir manchmal Angst machen und mich vor die Frage stellen: Wer bist du eigentlich und woher kommen diese ganzen Bilder? Und natürlich: Warum so und nicht anders?“ Quelle: Peter Lindbergh, Untold Stories, Taschen (2020)
Er spricht mir so aus dem Herzen, wenn ich an meinen eigenen Weg denke, den ich 2017 begonnen habe. Und es lässt mich erahnen das ich nicht ganz so falsch liege.
Euch eine gute Zeit
Boris
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Die Redaktion von SWAN Magazine hat eine Buchrezession über die Ausgabe #04 „Fifty Shades of Boris´Light“ herausgegeben.
So ist “Fifty Shades of Boris’ Light” mehr als nur die vierte Ausgabe seines streng limitierten Fine Art Magazines oder “irgendeine Sonderausgabe”, sondern der gedruckte Beweis dafür, dass private Fotoprojekte nicht nur den Künstler selbst bereichern, sondern Respekt und Aufmerksamkeit verdient haben. Boris beweist auch mit dieser Ausgabe wieder, dass er Fine Art macht, denkt und inszeniert. Und das meisterhaft. Eine große Inspirationsquelle für Peoplefotografen!
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Ich spreche mit Marc Kandel über mein abruptes Ende, bevor meine Karriere als Fotograf überhaupt starten konnte und meine sehr individuelle Motivation später dann doch zur Kamera zu greifen. Und warum ich von all den beruflichen Etappen dazwischen heute in meiner Fotografie profitiere. Und was mich treibt meine Arbeiten in gedruckter Form zu publizieren. Und Vieles mehr.
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Ich werde oft gefragt: „Boris, du machst so wundervolle Arbeiten, warum machst du die Fotografie nicht beruflich?“ Die kurze Antwort wäre: „Wenn man sein Hobby zum Beruf macht hat man kein Hobby mehr!“ Ich möchte aber gerne näher darauf eingehen. Disclaimer: Dies gilt selbstverständlich nur für mich und folgt ausschließlich meinem Mindset zu meinen Arbeiten! Damit es nicht gar so langweilig wird habe ich einige Bilder aus der aktuellen Strecke mit Lily beigemischt.
Ich denke man kann, egal in welchem Gebiet, nur dann wirklich gut sein und Erfüllung finden, wenn man einfach Bock auf die Umsetzung hat und seiner Passion folgt.

Ich bin Peoplefotograf. Mich inspirieren die Menschen, oder eben auch nicht. Diese Sicht ist keine Bewertung der Person sondern folgt schlicht meinem ganz persönlichen Mindset. Brennen kann ich nur für ein Projekt bei dem ich zu 100% entscheiden kann mit wem ich zusammen arbeite, was ich umsetze und wie viel Zeit ich investieren möchte, damit mich die Ergebnisse wirklich berühren. Keines dieser drei Komponenten kann ich zufriedenstellend in der Auftragsfotografie verwirklichen.
Sobald man sich entscheidet seinen Lebensunterhalt damit zu verdienen, sprich seine Existenz daran zu hängen, wird sich unbemerkt ein Schalter im Kopf umgelegt. Ich bin nicht mehr frei in meinen Entscheidungen und muss Kompromisse eingehen. Wie in jedem anderen Job auch. Motivation und Ergebnis hängen untrennbar aneinander. Natürlich gibt es hier nicht nur Schwarz und Weiß sondern sicherlich auch Graustufen!

Ich habe diese Phase im Nebenerwerb selbst durchlebt. Diese Eigendynamik werden einige von euch gut kennen. Man hat mit jemanden geshootet und wundervolle Bilder umgesetzt, weil einfach alles passte. Dann kamen die Anfragen aus deren Freundeskreis, ob ich denn nicht auch mit ihnen solche Bilder machen könnte. Das war die Zeit in der ich Anfragen dieser Art dann aller: „TfP leider nicht, da keine Portefolio-Erweiterung blablabla…“ auf die Pay-Schiene umgeleitet habe. Und ich bin an meiner Kunst verzweifelt!!!
Meine Bilder leben zu 100% von Stimmung und Authentizität. Sie leben von diesem zart gesponnenen Faden von Vertrauen und Empathie, der es den Frauen vor der Kamera überhaupt erst möglich macht sich zu öffnen. Um eine Seite sichtbar zu machen, die sonst nur enge Freunde kennen. Motivation und Stimmung ist aber nicht erzwingbar. Wenn es da keinen Gleichklang gibt, wird es handwerklich sicherlich noch zu einem guten Bild reichen. Meine „Kunden“ fanden ihre Bilder ja meistens toll, aber die Ergebnisse haben mich selten wirklich berührt. Ich war nicht Teil des Bildes. Und ich hatte den Vergleich zu den Arbeiten, die wirklich meins waren und mich getouched haben. Dies war ein schleichender Prozess. Als ich mir dann aber darüber klar war, was da eigentlich abläuft und was ich wirklich wollte, hab ich von jetzt auf gleich das Thema Pay-Shoots ad Acta gelegt. Der Spagat es rational in „Kunst“ und „nur bezahltem Handwerk“ aufzuspalten, hätte mich wahrscheinlich in eine heftige Sinnkriese geführt.

Ich setze seit dem ausschließlich eigene Projekte auf TfP-Basis um und bin mit mir im Reinen. So kann ich meine Energie zu 100% in die Dinge stecken, die mir wirklich wichtig sind. Eine Entscheidung, die ich bis heute nicht bereut habe. Ich hätte mich auch nicht in dieser Form entwickelt. Sicherlich hätte ich neben dem „Brot und Butter Geschäft“ auch nicht mehr die Zeit und Motivation anspruchsvolle Projekte umzusetzen, wie z. B. meine Arbeit für und an meinem regelmäßig verlegten FineArt-Magazin. Ein Herzprojekt, was mir unfassbar viel gibt!

Ich behaupte nicht, dass dieser Spagat nicht zu schaffen ist. Wir sind alle unterschiedlich und gehen differenziert damit um. Es ist aber sicherlich sinnvoll zu hinterfragen, ob dieser Spagat gut tut oder die Freude an der Passion kannibalisiert. Da hilft es auf seinen „Bauch“ zu hören: Kunst und/oder „nur“ Handwerk. Zugegeben provokant. Ich Denke aber einige machen sich hier etwas vor. Begehrlichkeiten, wie die Aussicht darauf z. B. die Ausrüstung zu finanzieren, können den Blick verstellen. Unbemerkt wie sich das Mittelmaß einschleicht wenn die Grenzen verschwimmen.
Euch eine gute Zeit
Boris















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