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Wie ein Kater meine Akt-Porträts beeinflusst

Authentizität oder auch Stimmigkeit ist mir in meiner Bildsprache sehr wichtig. Auch wenn es um Posing, besser noch „Nicht-Posing“ geht. Genau hier hat mir Studiokater Merlin in die Hände gespielt. Bevor jetzt die Frage kommt, was der Kater denn jetzt mit meinen Akt-Porträts zu tun hat, einmal alles auf Anfang.

Das Initial war ein Shooting mit Nicole, in das sich Kater Merlin hineingeschummelt hatte. Wir hatten Merlin wenige Wochen zuvor in unsere Familie aufgenommen. Ich fotografierte Nicole gerade liegend, als Kater Merlin durch die Tür kam und zielstrebig auf sie zu tapste. Dieses Strahlen, das diese Begegnung auf Nicoles Gesicht zauberte, war bemerkenswert.

Merlin ist übrigens sehr kontaktfreudig, so dass die beiden unbeschwert miteinander agiert haben. So ist innerhalb des von mir gesetzten Rahmens, zwischen Merlin und Nicole, eine eigene Handlung entstanden. Es war also nicht nur die Interaktion zwischen mir als Fotografen und Nicole vor der Kamera, sondern auch zwischen ihr und Merlin als zusätzlichen Protagonisten. Die besondere Stimmung und vor allem die außergewöhnlichen Bilder die dabei entstanden sind, haben mich begeistert. Darüber hat der Kater sich als Mitarbeiter des Monats qualifiziert und ist zu „Studiokater Merlin“ aufgestiegen.

Auch wenn ich ein Stück weit ausgeblendet wurde, gab es einen feinen Kommunikationsfaden zu Nicole. Es fühlte sich irgendwie an wie ein Wechselspiel zwischen einem Portrait-Shoot mit sehr viel Nähe und einer Reportage von der Seitenlinie aus. Jetzt war ich natürlich sehr neugierig, ob dieser Effekt eine Eintagsfliege bleibt oder reproduzierbar wäre.

Bei den kommenden Shoots habe ich Merlin, immer wenn seine Neugierde die Oberhand bekam, für ein bis zwei Settings mit eingebaut. Im Anschluss sind auch wieder Bilder ohne Kater entstanden. Das war der Start für das Langzeit-Projekt „Merlin and the Nudes“, das mich bis hierher 14 Monate lang begleitet hat.

Essentiell für mich ist, was Merlins Anwesenheit mit uns Menschen und im Besonderen mit Frauen macht, die bekanntlich über sehr feine Antennen verfügen. Und wie dieses zusätzliche Element die Bildstimmung beeinflusst und neue Facetten erst möglich macht. Ein Aspekt dazu ist sicherlich die Eigendynamik, die bei den Frauen ein natürlicheres Verhalten provoziert und darüber zu noch authentischeren Bildern führt. Dies macht es sehr reizvoll für mich.

Studiokater Merlin sorgt durch sein Wesen für spannende Variablen innerhalb des Zusammentreffens. Es bringt auf der einen Seite eine Leichtigkeit und Eigendynamik in den Shoot, zum anderen aber ist die Inszenierung, Bildaufbau usw. ungleich schwerer. Wenn man einer Katze eine Anweisung gibt, nimmt sie es zur Kenntnis und kommt vielleicht später darauf zurück. Es ist in keiner Weise vorhersehbar und benötigt noch mehr Geduld und Empathie.

Für Fotograf*innen, deren Fokus eher auf der technischen Umsetzung und der Kontrolle über das Geschehen liegt, ist es sicherlich eine interessante Erfahrung, zu erleben, dass los- oder laufenlassen zu anderen Bildergebnissen führen kann. Bilder, die man sonst vielleicht nicht bekommen würde.

Eine Katze am Set ist übrigens auch ein Indikator für die Stimmung während des Shoots. Katzen sind da kompromisslos und unbestechlich. Sie haben ihren eigenen Kopf. Wie heißt es so schön: „Hunde haben Herrchen, Katzen haben Personal.“ Wenn die Stimmung am Set nicht passt, würden auch diese besonderen Bilder nicht entstehen. Wenn aber alles passt, sorgt dieses sympathische Fellknäul wie ein Turbolader dafür, dass es noch entspannter und vor allem noch ungestellter wird.

Wenn dem Kater langweilig wurde, hat er sich einfach wieder ausgeblendet. Manches Mal auch nur in die Ecke gelegt, um das Treiben zu verfolgen oder ein Mittagsschläfchen zu machen.

Dieses Projekt ist übrigens kein Ausflug in die Tierfotografie. Ich bleibe ich meinem Sujet „Akt-Porträt“ treu. Da gilt: „form follows function“, in meinem Fall: „form follows mindset“. Ich kann aber für meine Bildsprache auf zusätzliche Elemente zugreifen. Hinzu kommt, dass Merlin als weiterer Protagonist in Tiergestalt den Interpretationsspielraum der Bildergebnisse erweitert. Ein interessanter Aspekt dazu ist sicherlich auch das Thema Projektion.

Wir sehen die Welt, wie wir selbst sind und sind in unserer Wahrnehmung durch unsere persönliche Einstellung limitiert. Darüber, was uns geprägt hat und in uns steckt. Vereinfacht ausgedrückt: Wir schauen durch eine gefärbte Brille. Dies ist, denke ich, auch ganz essentiell für die eigene Bildsprache. Eine sehr spannende Frage dazu für mich: Welche Rolle projiziert sowohl der Fotograf (also ich) sowie auch das Publikum, über den zusätzlichen Protagonisten in Tiergestalt in die Bilder? Und sei es vielleicht auch nur unbewusst über die Bildauswahl.

Betrachtet die Bilder auch einmal gezielt unter diesem Aspekt. Vielleicht fällt Euch auf dem einen oder anderen meiner Bilder etwas dazu auf. So ist aus der Begegnung mit Merlin und 13 einzigartiger Frauen eine außergewöhnliche Themen-Monografie entstanden. Die Bildergebnisse sind in meinem FineArt-Magazin, Ausgabe „Merlin and the Nudes“, in gedruckter Form veröffentlicht.

Informationen zum Magazin

zum Shop: „Merlin and the Nudes“ von Boris Bethge
Sprache: Deutsch
Einband: Softcover
Seiten: 72 Seiten, Pigmentdruck auf mattem 170 g GalaxiArt Samt
Maße: 24 x 32 cm
Verlag: Eigenverlag
Preis: 27,90 €

Oh, ein Boris. Aber kann ja nicht, ist ja Farbe …

Mein Image-Berater hatte mir zwar abgeraten Bilder in Farbe zu zeigen, ich habe mich mit dieser Strecke von Sophie aber doch getraut. Eine Bildstrecke in Farbe, für einige die mir schon länger folgen ungewohnt. Das liegt sicherlich auch daran, dass ich überwiegend Bilder oder Bildstrecken in SW veröffentliche. Umso mehr freue ich mich über die Reaktionen. Besonders wenn auch Farb-Bilder über meine Bildsprache erkannt werden.

Ich dachte zunächst, oh, ein Boris. Aber kann ja nicht, ist ja Farbe. Aber hoppla, ist ja doch ein Boris. Farbliche Weihnachtsüberraschung. Michael Scharrer

Zu Gast beim Boudoir Podcast von Boris Mehl

In diesem Boudoir Podcast war ich zu Gast bei meinem Namensvetter Boris Mehl. Wir sprechen über die Fotografie mit natürlichem Licht. Wie entstehen Portraits , die echt sind. Bilder, die berühren. Wir sprechen über mein Herzensprojekt, die FineArt-Magazine, die Auswahl der passenden Bilder, das Fotografieren in Bildstrecken, das Kuratieren der Magazine, das Vertrauen bei Fotoshootings und noch viel mehr.

Und, dass Fotografie viel mehr als das Beherrschen der Technik ist. Ketzerisch: Die Technik ist für mich so ziemlich das unwichtigste. Neben dem Licht sehen, ist die Kommunikation mit dem Modell ausschlaggebend für gelungene Bilder. Das Vertrauen zwischen Fotograf und Modell ist entscheidend für Bilder, die berühren.

Der Unterschied, Bilder nur am Monitor zu sehen oder auch etwas gedrucktes in Händen zu halten, ist enorm! Ein gedrucktes Bild wirkt um Längen besser, als ein flüchtiges Betrachten am Handy oder Bildschirm. Wir sprechen darüber wie ich dazu komme, ein FineArt-Magazin heraus zu bringen, welche Schwierigkeiten damit verbunden sind und was das Denken in Bildstrecken mit dem Fotografen macht.

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Highspeedsync Fototalk: „Wie entsteht ein Fotomagazin im Eigenverlag?“

Im Schnack mit Ulf Krueger gebe ich einen Exklusiven Einblick „Behind the Scene“ zur Entwicklung eines Bildbandes am Beispiel meines FineArt-Magazins „BORIS BETHGE“. Was ist meine persönliche Motivation. Entwicklung der Grundidee sowie des Formats wie: Abmessungen (Super Gau DIN A4), Qualität, Layout, besondere Akzente meines Mindsets und USPs und Gestaltung der Inhalte. Erstellung der Druckdaten. Worauf ist bei der Suche eines Druckpartners und der Drucktechnik zu achten? Administrationsaufwand, Tipps für eure eigenen Publikationen. Und noch viel mehr.

Solltet ihr euch selber mit dem Gedanken tragen etwas in gedruckter Form zu veröffentlichen lohnt Reinhören definitiv!

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Warum es für mich essenziell ist meine Bildbände selber zu kuratieren

Als Auflockerung habe ich hier Bilder aus einer Strecke mit der bezaubernden Caro beigemischt.

Jeder der sich auf den Weg macht seine Arbeiten in gedruckter Form zu publizieren steht irgendwann vor der inhaltlichen Bildauswahl und vor der Aufgabe diese in einen Kontext zu stellen. Sprich: „Welche Bilder genau sollen aus der Vorauswahl in welcher Reihenfolge, welchem Schnitt usw. ausgewählt und entsprechend platziert werden, um genau das was mir dazu im Kopf herumschwirrt zu transportieren?“ Im groben folgt dies sicherlich der konzeptionellen Idee für eine Publikation wie z. B. einem Bildband, einer Ausstellung oder vergleichbares. Es ist meines Erachtens eine der wichtigsten und intensivsten Aufgaben in Projekten dieser Art. Nun lese ich in diesem Zusammenhang immer wieder Statements wie: „Ein Bildband, eine Ausstellung (place any) sollte durch einen Kurator (respektive Dritten) kuratiert werden!“ Im Sinne, dass der Prozess der finalen Bildauswahl, Reihenfolge u. ä. durch einen Dritten mit entsprechender Expertise ausgeführt wird.

IST DAS WIRKLICH SO?

Bevor ich meine Arbeiten selber in gedruckter Form publiziert habe fand ich dies durchaus stimmig. Es gibt sicherlich auch Gründe die dafürsprechen. Ich teile diese Meinung mittlerweile aber nicht mehr. Wohlgemerkt, wenn es um meine Projekte geht. Vielleicht stehe ich damit auch alleine, who knows. Ich möchte dazu aber gerne meine Gedanken mit euch teilen, warum es mir für meine persönliche Entwicklung aber auch für ein authentisches Ergebnis wichtig ist, meine Bildbände selbst zu kuratieren.

Was genau macht bei unseren Bildern den Unterschied zu denen anderer Fotografen? Hauptsächlich unsere persönliche Prägung – unser Mindset! Etwas vereinfacht: Unsere ganz persönliche „Brille“, durch die wir unsere Umwelt wahrnehme. Ich fotografiere die Menschen nicht wie sie sich sehen oder andere, sondern wie ich sie sehe. Und Genau hier sind wir bei des Pudels Kern:

KEINER SCHAUT DURCH MEINE BRILLE

Was für einzelne Bilder gilt, wirkt sich natürlich noch differenzierter beim Storytelling in Form von Bildstrecken aus. Wenn es um meine Kunst geht, sieht es keiner so, wie ich es sehe – wie sollte dies auch gehen. Die Ignoranz dieser Wahrheit ist übrigens auch ein Grund für endlose Richtig- und Falsch-Diskussionen, wenn es um vermeintliche Bildkritik geht. Dies aber nur am Rande.

Was bedeutet es konkret, wenn ich die Entscheidung für Auswahl und Kontext einem Dritten überlasse? Seine Kompetenz dazu mal ganz außen vorgelassen. Ich gehe bei einer Zusammenarbeit immer Kompromisse ein! Kann ja auch nicht anders sein, für diese Aufgabe wurde er ja mit ins Boot geholt. Das Ergebnis kann durchaus gut werden. Für einen Außenstehenden sogar leichter konsumierbar bzw. auch stimmiger, wenn es um Massen-Kompatibilität geht, aber:

DAS ERGEBNIS WIRD EIN ANDERES UND NICHT MEHR MEIN WERK SEIN!

Das ist für mich der entschiedenste Knackpunkt. Um da nicht zu kurz zu springen, möchte ich meine Gedanken gerne noch etwas differenzieren. Es gibt sicherlich Gründe sein Werk kuratieren zu lassen. Dies können Vorgaben in einem Projekt sein. Vielleicht auch strategische Gründe. Es ist Teil des Schaffens als Berufsfotograf – ein Job an dem auch meine Existenz hängt o. ä. Es wäre auch blauäugig zu behaupten jeder hätte die Wahl und das Budget sich einen Kurator zu leisten. Wobei mir hier eine kleine Randbemerkung erlaubt sei: Begriffe wie Kurator und Kuratieren werden mir teilweise zu inflationär und auch mal sehr vollmundig aus dem Zusammenhang verwendet. Ich verwende diese Begriffe auch nur hier, um den roten Faden zu behalten. Hier gilt es sicherlich abzuwägen: „Wieviel persönliche Egozentrik kann ich mir leisten?“ Da ich nicht davon leben muss, habe ich natürlich gut reden. Um hier aber nicht Äpfel mit Birnen zu vermischen, möchte ich es tatsächlich aus der Position heraus betrachten, dass ich die Wahl habe. Sonst wird es unscharf.

Ich arbeite mittlerweile an meinem siebten, selbst kuratierten, Bildband. Inhaltlich überwiegend in Form von Bildstrecken. Es wird diesmal aber auch wieder eine Rubrik mit ausgesuchten Einzelbildern geben. Tatsächlich würde ich jedem bei so einem Projekt empfehlen sich auch externen Rat einzuholen. Ich habe mir bei den unterschiedlichen Projektphasen immer wieder eine Sicht von außen dazu geholt und lasse auch Dritte über meine Bilder schauen. Und natürlich mache auch ich Fehler, zu Beginn und sicherlich auch heute noch! Aber ich bin davon überzeugt, dass es Fehler gibt die man selber machen muss um sich persönlich weiter zu entwickeln. Mit Corinna, die mir mittlerweile sehr ans Herz gewachsen ist, hätte ich tatsächlich sogar jemanden in meinem Umfeld an den ich es abgeben könnte. Sie fühlt sich nicht nur vor und hinter der Cam wohl sondern ist auch eine erfahrene Mediendesignerin. Corinna hat mir bei Adobe InDesign, das Programm in dem ich meine Druckdaten setze, aufs Pferd geholfen. An dieser Stelle noch einmal ganz lieben Dank! Aber den Prozess der Bildauswahl bis hin zur Platzierung jedes einzelnen Bildes würde ich nicht aus der Hand geben wollen. Es ist einer der wertvollsten Entwicklungsprozesse und entscheidet darüber wieviel von mir dann noch im Ergebnis steckt.

Ich bin zu 100% für das Ergebnis verantwortlich. Auch für die Dinge, die vielleicht noch nicht gut umgesetzt sind. Ich kann mich nicht mehr verstecken und muss mich meiner Selbstkritik stellen. Dieser Prozess immer wieder aus Neue abzuwägen macht etwas ganz Entscheidendes mit dir. Du begegnest dir und deinen Bildern auf eine sehr intensive Weise. Die ausgewählten Bilder und Bildstrecken müssen allen eigenen Gedanken dazu standhalten.

Wer sich jetzt sagt: „Ich kann am Ende auf das fertige Ergebnis ja immer noch Einfluss nehmen!“ Nein, könnt ihr nicht wirklich! Sobald ihr diesen Prozess an einen Dritten abgebt, habt ihr für Euch bereits entschieden ein Stück weit die Verantwortung abzugeben und Kompromisse zu akzeptieren. Und ihr seit den essenziellen Weg des ständigen Abwägens nicht selber gegangen. Jetzt könnt ihr natürlich noch ein, zwei Bilder anders platzieren. Es ist aber nicht mehr zu 100% euer Werk.

KEINER SCHAUT DURCH MEINE BRILLE

Mich hat dieser Prozess immer wieder aufs Neue unfassbar weitergebracht und mit jedem neuen Bildband konnte ich weiterwachsen. Für mich ein ganz wichtiger NEXT LEVEL in meiner Entwicklung.

In diesem Zusammenhang sollte noch erwähnt werden, dass Peter Lindbergh mit „Untold Stories“ erstmals eine Ausstellung komplett selbst kuratiert hat. Ich kann euch dazu nur wärmstens das Interview von Felix Krämer mit Peter Lindbergh ans Herz legen (veröffentlicht im Ausstellungskatalog zu „Untold Stories“). Hier Beschreibt Peter Lindbergh wie intensiv und tiefgreifen die Erfahrung war, die er beim Kuratieren von „Untold Stories“ gemacht hat. Wie wertvoll dieser Prozess für ihn war. Und wie es ihn oftmals an seine eigenen Grenzen geführt hat. Auch wenn euch euer Projekt kleiner und überschaubarer erscheint, die Konsequenz daraus ist die gleiche.

Peter Lindbergh: „Ich fühle mich für jedes einzelne Foto in meiner Ausstellung total verantwortlich und das ist fantastisch. Ich hatte nichts, um mich dahinter zu verstecken.“ „Aber jetzt, da ich diese Aufgabe allein bewältigen muss, tun sich Tiefen auf, mit denen ich mich intensiv beschäftige und die mir manchmal Angst machen und mich vor die Frage stellen: Wer bist du eigentlich und woher kommen diese ganzen Bilder? Und natürlich: Warum so und nicht anders?“ Quelle: Peter Lindbergh, Untold Stories, Taschen (2020)

Er spricht mir so aus dem Herzen, wenn ich an meinen eigenen Weg denke, den ich 2017 begonnen habe. Und es lässt mich erahnen das ich nicht ganz so falsch liege.

Euch eine gute Zeit

Boris

Buchrezession für „Fifty Shades of Boris´ Light“

Die Redaktion von SWAN Magazine hat eine Buchrezession über die Ausgabe #04 „Fifty Shades of Boris´Light“ herausgegeben.

So ist “Fifty Shades of Boris’ Light” mehr als nur die vierte Ausgabe seines streng limitierten Fine Art Magazines oder “irgendeine Sonderausgabe”, sondern der gedruckte Beweis dafür, dass private Fotoprojekte nicht nur den Künstler selbst bereichern, sondern Respekt und Aufmerksamkeit verdient haben. Boris beweist auch mit dieser Ausgabe wieder, dass er Fine Art macht, denkt und inszeniert. Und das meisterhaft. Eine große Inspirationsquelle für Peoplefotografen!

Zur ausführlichen Rezession geht es hier

Zu Gast beim Podcast Auditive Augenblicke

Ich spreche mit Marc Kandel über mein abruptes Ende, bevor meine Karriere als Fotograf überhaupt starten konnte und meine sehr individuelle Motivation später dann doch zur Kamera zu greifen. Und warum ich von all den beruflichen Etappen dazwischen heute in meiner Fotografie profitiere. Und was mich treibt meine Arbeiten in gedruckter Form zu publizieren. Und Vieles mehr.

Hier geht es zur Sendung

Warum ich bei Auftragsarbeiten an meiner Kunst verzweifelt bin

Damit es nicht gar so langweilig wird habe ich einige Bilder aus der aktuellen Strecke mit Lily beigemischt.

Ich werde oft gefragt: „Boris, du machst so wundervolle Arbeiten, warum machst du die Fotografie nicht beruflich?“ Die kurze Antwort wäre: „Wenn man sein Hobby zum Beruf macht hat man kein Hobby mehr!“ Ich möchte aber gerne näher darauf eingehen. Disclaimer: Dies gilt selbstverständlich nur für mich und folgt ausschließlich meinem Mindset zu meinen Arbeiten!

Ich denke man kann, egal in welchem Gebiet, nur dann wirklich gut sein und Erfüllung finden, wenn man einfach Bock auf die Umsetzung hat und seiner Passion folgt.

Ich bin Peoplefotograf. Mich inspirieren die Menschen, oder eben auch nicht. Diese Sicht ist keine Bewertung der Person sondern folgt schlicht meinem ganz persönlichen Mindset. Brennen kann ich nur für ein Projekt bei dem ich zu 100% entscheiden kann mit wem ich zusammen arbeite, was ich umsetze und wie viel Zeit ich investieren möchte, damit mich die Ergebnisse wirklich berühren. Keines dieser drei Komponenten kann ich zufriedenstellend in der Auftragsfotografie verwirklichen.

Sobald man sich entscheidet seinen Lebensunterhalt damit zu verdienen, sprich seine Existenz daran zu hängen, wird sich unbemerkt ein Schalter im Kopf umgelegt. Ich bin nicht mehr frei in meinen Entscheidungen und muss Kompromisse eingehen. Wie in jedem anderen Job auch. Motivation und Ergebnis hängen untrennbar aneinander. Natürlich gibt es hier nicht nur Schwarz und Weiß sondern sicherlich auch Graustufen!

Ich habe diese Phase im Nebenerwerb selbst durchlebt. Diese Eigendynamik werden einige von euch gut kennen. Man hat mit jemanden geshootet und wundervolle Bilder umgesetzt, weil einfach alles passte. Dann kamen die Anfragen aus deren Freundeskreis, ob ich denn nicht auch mit ihnen solche Bilder machen könnte. Das war die Zeit in der ich Anfragen dieser Art dann aller: „TfP leider nicht, da keine Portefolio-Erweiterung blablabla…“ auf die Pay-Schiene umgeleitet habe. Und ich bin an meiner Kunst verzweifelt!!!

Meine Bilder leben zu 100% von Stimmung und Authentizität. Sie leben von diesem zart gesponnenen Faden von Vertrauen und Empathie, der es den Frauen vor der Kamera überhaupt erst möglich macht sich zu öffnen. Um eine Seite sichtbar zu machen, die sonst nur enge Freunde kennen. Motivation und Stimmung ist aber nicht erzwingbar. Wenn es da keinen Gleichklang gibt, wird es handwerklich sicherlich noch zu einem guten Bild reichen. Meine „Kunden“ fanden ihre Bilder ja meistens toll, aber die Ergebnisse haben mich selten wirklich berührt. Ich war nicht Teil des Bildes. Und ich hatte den Vergleich zu den Arbeiten, die wirklich meins waren und mich getouched haben. Dies war ein schleichender Prozess. Als ich mir dann aber darüber klar war, was da eigentlich abläuft und was ich wirklich wollte, hab ich von jetzt auf gleich das Thema Pay-Shoots ad Acta gelegt. Der Spagat es rational in „Kunst“ und „nur bezahltem Handwerk“ aufzuspalten, hätte mich wahrscheinlich in eine heftige Sinnkriese geführt.

Ich setze seit dem ausschließlich eigene Projekte auf TfP-Basis um und bin mit mir im Reinen. So kann ich meine Energie zu 100% in die Dinge stecken, die mir wirklich wichtig sind. Eine Entscheidung, die ich bis heute nicht bereut habe. Ich hätte mich auch nicht in dieser Form entwickelt. Sicherlich hätte ich neben dem „Brot und Butter Geschäft“ auch nicht mehr die Zeit und Motivation anspruchsvolle Projekte umzusetzen, wie z. B. meine Arbeit für und an meinem regelmäßig verlegten FineArt-Magazin. Ein Herzprojekt, was mir unfassbar viel gibt!

Ich behaupte nicht, dass dieser Spagat nicht zu schaffen ist. Wir sind alle unterschiedlich und gehen differenziert damit um. Es ist aber sicherlich sinnvoll zu hinterfragen, ob dieser Spagat gut tut oder die Freude an der Passion kannibalisiert. Da hilft es auf seinen „Bauch“ zu hören: Kunst und/oder „nur“ Handwerk. Zugegeben provokant. Ich Denke aber einige machen sich hier etwas vor. Begehrlichkeiten, wie die Aussicht darauf z. B. die Ausrüstung zu finanzieren, können den Blick verstellen. Unbemerkt wie sich das Mittelmaß einschleicht wenn die Grenzen verschwimmen.

Euch eine gute Zeit

Boris

Was am Ende bleibt …

Ein wieder entdecktes Hochzeitskleid aus Tagen die anders waren. Besser? Es gab gemeinsame Träume. Diese Zeit wird nicht wieder kommen. Sie ist vergangen und heute ist alles anders. Vielleicht geht aber eine Tür da auf, wo eine andere sich geschlossen hat. Was am Ende bleibt …
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Maike

Faszination Self-Publishing

Was treibt mich ein FineArt-Magazin im Eigenverlag herauszubringen?

Meine Arbeiten in gedruckter Form zu publizieren war schon lange ein Herzenswunsch. Man steckt gemeinsam so viel Zeit und Empathie in die Bilder. Online sind diese aber so flüchtig in der Wahrnehmung und vergänglich wie eine Eintagsfliege. Erst in gedruckter Form ist es ein Bild! und kann mit ALLEN Sinnen wahrgenommen werden. Es ist auch „Etwas“ für die Ewigkeit. Meine Motivation ist es, meine Arbeiten dann auch ohne Kompromisse in gedruckter Form, mit Euch hier auf den Bildern und Euch, die ihr meine Arbeit als Inspirationsquelle schätzt, zu teilen. Die Umsetzung erfolgt übrigens ohne Gewinninteresse.

Ich weiß noch genau wie ich mich Anfang 2017 auf dem Weg gemacht habe. Vieles war neu oder sollte neu erlernt werden. Das Projekt musste vorfinanziert werde, was bei dem hohen Qualitätsniveau allein für die Druckkosten schon ein ganzer Batzen war. Ohne sicher zu wissen, ob man die Kosten wieder rein bekommen wird. Jetzt geht mittlerweile die dritte Ausgabe in Druck und Ausgabe #04 ist bereits für Anfang 2020 in Planung. Eine Entwicklung, die mich sehr stolz und unfassbar glücklich macht. Dieses FineArt-Magazin ist mein persönliches Statement für das gedruckte Bild!

Der Markt für Bildbände zur Menschenfotografie ist klein. Die Zahl der Verlage für dieses Segment sehr überschaubar. Um von einem dieser Verlage veröffentlicht zu werden, müsste man schon einen Namen wie Peter Lindbergh oder Helmut Newton haben, um die erforderlichen Absatzzahlen zu erzielen. Hier macht es einfach Sinn im Eigenverlag zu publizieren. Der Zeitaufwand sollte allerdings nicht unterschätzt werden. Das shooten der Strecken ist natürlich die eigentliche Passion. Dazu kommen dann aber die Entwicklung des Layouts, sorgfältige Bildauswahl, setzen der Druckdaten, Papierauswahl, alles weitere was zum Eigenverlag gehört wie Aufbau des Shops, Bestell- und Zahlungsabwicklung, Versand usw. Es gibt mittlerweile einige Kollegen, die ihre Arbeiten im Eigenverlag publizieren. Diese Entwicklung finde ich einfach toll! Ein solches Projekt sollte man nur an den Start bringen wenn man wirklich für diese Idee brennt und mit Herzblut dabei ist. Wer glaubt, dass man mit hochwertigen Printpublikationen in dieser winzig kleinen Nische richtig Geld verdienen könnte, sollte sich vielleicht ein anderes Betätigungsfeld suchen.


Die ersten Layoutskizzen

Spart bitte nicht an der Druck- und Materialqualität. Und nehmt euch Zeit ein gut durchdachtes Layout zu entwickeln. Ein Layout, das zu eurer Kunst und eurem Mindset passt. Hier gilt „form follows function“. Die Gestaltungselemente sollten den Inhalt tragen aber nicht davon ablenken oder diesen gar durch dominierende Designelemente oder schicke Überschriften kannibalisieren. Es wäre einfach schade wenn die vielen Stunden, die in ein solches Projekt fließen, in einem halbherzigen Layout oder einfachem Standardpapier untergehen würden. Und es geht auch um die Wertschätzung der eigenen Arbeit.

Der Wolf im Schafspelz

Ich habe mich für die Publikation in Form eines FineArt-Magazins entschieden. Zugegeben, da ich es qualitativ „high end“ ausführe, ist es ein Wolf im Schafspelz. Es vermittelt sowohl die Leichtigkeit und den Spirit eines MAGs als auch das Gefühl einen hochwertigen Bildband in Händen zu halten. Mir war wichtig bei der Präsentation der Bilder keine Kompromisse zu machen. Trotz Softcover steht mein FineArt-Magazin einem Bildband in nichts nach. Von der Qualität des Drucks, Grammatur von 170g/m² und Haptik des gewählten Papiers sowie der GRÖSSE gibt es wenig Vergleichbares in diesem Bereich! Das Format 24x32cm gibt den Bildern viel Raum sich zu entfalten. Auch das Layout setzt Maßstäbe. Es ist durchdacht, abwechslungsreich aber wohltuend leise. Es verzichtet auf alle überflüssigen und lauten Gestaltungselemente. Analog meiner Philosophie möchte ich auch hier ausschließlich die Menschen in den Fokus stellen. Bereits der Einklapper erfüllt in raffinierter weise vier Funktionen. Der geprägte Titel des Covers, eine Hommage an die alte Buchdruckkunst, wird wie zu Gutenbergs Zeiten auf einem über 100 Jahre alten Heidelberger Zylinder gefertigt.


Der Prägestempel für den Titel

Dass ich in einer beruflichen Etappe auch im Bereich des layouten und produzieren von Printmedien unterwegs war hat mir hier unfassbar geholfen. Vom Shooten der Bilder, Kuratieren der Bildstrecken und Setzen der Druckdaten in InDesign bis zur fertigen Druck-PDF kann ich alle Schritte selber ausführen. Ich hole mir aber auch regelmäßig Feedback von außen. Mit InDesign bin ich nach einem Crashkurs von Corinna super klar gekommen. Da Corinna sich nicht nur vor meiner Cam wohl fühlt sondern auch Mediendesignerin ist, hatten wir es mit einem Shoot verbunden. Zuerst haben wir einige Bildideen umgesetzt. Dann, nach lecker Pasta, hat sie mir die Grundzüge in InDesign gezeigt. Mein Layout hatte ich vorher schon entwickelt, so dass wir es nur noch in InDesign zum leben erwecke mussten. Corinna war selbst in der ersten Ausgabe mit einer Bildstrecke zu „Tage am Meer“ vertreten, die wir in St. Peter-Ording geshootet haben. So konnte ich mit ihr auch gleich die Druckdaten für ihre Strecke setzen und habe super Tipps für das Handling des Programms bekommen.

Seit ich mit der Menschen-Fotografie angefangen habe denke ich tatsächlich in Bildstrecken. Es sind bereits zu Beginn immer zusammenhängende Bilderserien entstanden, die vielleicht auch kleine Geschichten erzählen könnten. So sind auch meine Arbeiten für das Magazin zum größten Teil in Form von Bildstrecken ausgelegt. Teilweise erzählen sie auch die ganz persönliche Geschichte der jeweiligen Protagonistin. In der #03 habe ich eine Rubrik „Lieblingsbilder“ eingeführt, um auch Einzelbilder zeigen zu können. So modular aufgebaut kann ich meine Arbeiten abwechslungsreich präsentieren. Es ist bewusst auf 70 Seiten limitiert. Ich möchte die Leichtigkeit dieses „MAG-Spirits“ bewahren und lieber regelmäßig aktuelle und gut ausgewählte Strecken zeigen, als mich dem Diktat des Seitenfüllens zu unterwerfen.


BORIS BETHGE #01 | Valeria

Umgesetzt wird es mit einer regionalen Druckerei, die mir auch meine Sonderwünsche erfüllen kann. Mit der Wegner GmbH in Bremen habe ich einen Druckpartner im Boot, der das Besondere an diesem Projekt verstanden hat. Sei es punktgenau einen gleichwertigen Papierersatz für den nicht mehr produzierten Vorgänger aufzustöbern oder solange an den Druckparametern zu stellen, bis ein optimales Druckergebnis erzielt wird. Hier zeigt sich wie wertvoll es ist, wenn auch der Geschäftsführer mit dem sicheren Auge guten Druckhandwerks meine Projekte begleitet. Regional heißt auch kurze Wege. Ich schätze es sehr, wenn neue Ideen oder Unstimmigkeiten zeitnah im persönlichen Gespräch abgestimmt werden.

Ich werde übrigens oft gefragt ob ich die Fotografie beruflich mache. Nein, ich bin Hobbyknipser und mache es aus Liebe zu meiner Kunst. Dies dann auch in Form regelmäßiger FineArt-Publikationen an den Start zu bringen ist für mich reine Passion. Einer für mich wichtigsten Aspekte dazu; ich bin absolut frei in der Umsetzung. Es ist schon etwas dran: „Wenn man sein Hobby zum Beruf macht, hat man kein Hobby mehr!“

Die Entscheidung bereits die erste Ausgabe mit entsprechend finanziellem Risiko, qualitativ high end auszuführen, habe ich nicht bereut! Das haben auch eure unfassbar tollen Feedbacks gezeigt. Bei dem Qualitätsanspruch an meine Arbeit ist für mich monetär alles gut, wenn die externen Kosten über die Verkäufe gedeckt sind. Es ist halt ein reines Herzprojekt.


BORIS BETHGE #02 | Mayté

Dieses Projekt gibt mir unfassbar viel zurück. Über die Arbeit für und an meinem FineArt-Magazin habe ich mich immer wieder aufs Neue weiter entwickeln können. Ich befasse mich bei der Gestaltung jeder Ausgabe viel intensiver mit meiner Arbeit und reflektier auch selbstkritischer, als wenn es nur darum geht Bilder online zu stellen. Auch mit dem Wissen um das finanzielle Risiko und dass ich mit Tiefgang an den Ergebnissen gemessen werde. Und es ist ein wundervolles Gefühl zusammen mit den tollen Menschen die sich einen anvertrauen auf die gedruckten Ergebnisse zu schauen!

Mehr zum FineArt-Magazin: https://www.fotografie.borisbethge.de//mag/

Ich wünsche Euch eine schöne Zeit
Boris