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Ich möchte euch von meiner Leidenschaft berichten, Menschen über das Erzählen von Bildgeschichten zu berühren. Und von einem besonderen Shooting mit Gabi & Valeriia, in dem ich zwei meiner größten Next Levels erlebt habe.
Zum einen, wie einfach es sein kann auch komplexere Geschichten in Form kompletter Bildstrecken mit der Kamera zu erzählen, wenn man alles konsequent in mundgerechte Häppchen aufteilt. Und, was für lebendige Bilder entstehen können, wenn man den Protagonisten innerhalb der einzelnen Episoden den Freiraum gibt, die Handlung auszufüllen. Der Grundstein zu letzterem wurde übrigens zufällig vor gut 3 Jahren bei mir gelegt, als unser Kater Merlin in das Shooting mit Nicole hereingeplatzt ist. Bei der Interaktion der beiden sind unfassbar lebendige und authentische Bilder entstanden.

Nicole meets Merlin
Kurz einmal alles auf Anfang – ich kann glaube ich nur in Bildgeschichten
Seit ich 2014 als Quereinsteiger in die Fotografie eingestiegen bin, habe ich bei meinen Shoots bereits in kleinen Bildserien oder Handlungsfolgen gedacht. Zuerst unbewusst, später habe ich das Thema Storytelling dann immer weiter beim shooten meiner Bildstrecken ausgebaut. Ich habe für mich festgestellt, wenn ich in Handlungsabläufen shoote, entsteht ein stimmiger Flow und somit auch stimmige Bilder. Bilder, die den Bildbetrachter weit mehr zum Nachdenken animieren, als es vielleicht ein statisches Einzelbild vermag. Besonders, wenn ich mit Menschen zusammenarbeite, die eher selten vor der Kamera stehen. Für diese Form des Storytellings brenne ich lichterloh! Aus dieser Urmotivation und Herangehensweise ist auch die Bildgeschichte „Daydreams“ mit Gabi und Valeriia entstanden.
Meine persönlichen Next Levels beim Shoot von „Daydreams“
Gabi und Valeriia haben mich bei einer meiner Veranstaltungen angesprochen, ob ich nicht auch mal mit ihnen zusammen shooten möchte. Ich habe vorher bereits mit beiden unabhängig voneinander gearbeitet und war sofort Feuer und Flamme. Ich spürte bereits die Vorfreude auf dieses Projekt. Die Herausforderung für mich: Ich hatte bisher noch keine komplette Geschichte mit zwei interagierenden Protagonistinnen umgesetzt. Ich war schon ein wenig aufgeregt. Es sollte sich aber als ein Mega Learning herausstellen.
Die Idee für die Bild-Geschichte
Zu der Idee und möglichen Inhalten versuche ich alles, was mir dazu an Gedanken kommt, aus dem Kopf auf ein Blatt Papier zu kritzeln. Das nennt sich übrigens Brainstorming. Ich habe dafür immer einen DIN A3 Zeichenblock rumliegen. So kann ich neue Gedanken hinzufügen es später weiter strukturieren. Vielleicht geht es euch auch so, wenn ich meine Gedanken nicht aufs Papier bringe, habe ich immer dieses unbestimmte Gefühl, mir geht irgendetwas wichtiges durch Lappen. Tipp: Schreibt die Gedanken einfach Stichwortartig, aufs Papier, so wie sie kommen. Versucht aber nicht, es gleichzeitig auch schon sortieren zu wollen. Das führt meistens zu einem Knoten im Kopf und der Prozess gerät ins Stocken.

Da Gabi & Valeriia auch gute Freundinnen sind, war dies die Basis für die Grundidee: Zwei Freundinnen verbringen einen gemeinsamen Tag.
Schritte für die Umsetzung
Ich habe mir überlegt, was könnten die Beiden an diesem Tag alles erleben. Umsetzen wollte ich es in einer möblierten Location mit improvisierter Bettenlandschaft. So war der Rahmen bereits eingegrenzt. Nachdem mein Blatt Papier vollgekritzelt war, habe ich das Ganze in eine Folge kleiner Episoden aufgeteilt und danach in eine für mich stimmige Reihenfolge gebracht. Nach dem Motto: Hast du einen großen Berg vor der Brust, teile ihn in kleine, mundgerechte Häppchen. Ich habe auch Ideen verworfen.
Der nächste Schritt war es am Setting zu feilen und Accessors für die einzelnen Episoden zusammen zu raffen, sowie die Klamotten abzustimmen. Valeriia: „Oh ja, ich bring meine Polaroidkamera mit, da lässt sich bestimmt was mit machen.“

Da eine Episode ein gemeinsames Frühstück der beiden war, gehörte dazu natürlich alles aufs Tablett, inkl. leckerer Croissants und frisch gebrühtem Kaffee. Tipp: Sorgt für ein möglichst echtes Umfeld. Es macht einen Unterschied, ob ich Valeriia einen blitzsauberen Becher aus dem Schrank in die Hand drücke, oder ob sie einen warmen Becher fühlt und den frischen Kaffeeduft in der Nase hat. Die Bilder, die da entstehen, werden wesentlich authentischer.


Jetzt mussten wir nur noch einen gemeinsamen Termin finden. Übrigens war dies auch der Zeitpunkt, wo mir zum Storytelling noch ein spannender Akzent für die Geschichte eingefallen ist. Bis zum Schluss sollte der Bildbetrachter im Unklaren sein, ob die beiden nur gute Freundinnen oder vielleicht doch ein Paar sind. Damit hat sich auch der Titel von ursprünglich „Lazy Days“ in „Daydreams“ gewandelt. Solche Entwicklungen sind typisch bei so einem fortschreitenden Kreativitätsprozess.
Die Bilder, die darauf schließen ließen, dass die beiden doch ein Paar sind, sollten eher schemenhaft, wie Facetten aus einem Tagtraum, erscheinen. Wie bspw. das Titelbild. Um diesen Tilt-Shift-Effekt zu erzielen, habe ich einfach ein großen Cognac-Schwenker vor das Objektiv gehalten. Da muss man dann ein wenig rumprobieren. Wenn man den Dreh heraushat, ist es aber eine easy Angelegenheit. Bei dem folgenden Bild habe ich über Bewegungsunschärfe mit einer 1/4s gearbeitet.

Da die Episodenliste mittlerweile schon recht lang geworden ist, war ich schon ein wenig Bange, ob alles so umsetzbar ist, wie ich es mir ausgemalt habe.
Meine Learnings
Die größten Learnings für mich bei diesem Abenteuer waren: Diese recht komplexe Geschichte einfach in kleine Episoden aufzuteilen (was soll passieren). Und das „Wie“ der Umsetzung weitestgehend Gabi & Valeriia zu überlassen. Dazu gehörte für mich allerdings auch Mut zur Lücke. Ich denke, eine große Herausforderung als Fotograf ist es, die Kontrolle ein Stück weit abzugeben und darauf zu vertrauen, dass ein eigenständiger Flow zwischen Gabi & Valeriia entsteht. Analog zum Initial-Move mit Nicole & Kater Merlin.

Zum Mut zu dieser Lücke gehört dann aber auch ein entsprechender Mindchange. Es ist, glaube ich, immer noch eine weitverbreitete Überzeugung, ich als Fotograf wäre für alles verantwortlich. Nicht nur für den handwerklichen Prozess, Bildkomposition und Kommunikation, sondern auch für das minuziöse Anleiten des „Modells“ inkl. Pose. Ich denke ein überzeichneter Gestaltungswille an dieser Stelle führt nicht selten zu statischen und leblosen Bildern.
Es war für uns Drei zuerst etwas ungewohnt und zu Beginn auch hakelig. Für mich war es tatsächlich gar nicht so einfach, Gabi und Valeriia die Zeit und vor allem Ruhe zu geben, sich in die jeweilige Episode einzufinden, ohne wieder in gewohnter Manier voreilend das Zepter zu übernehmen. Als wir uns aber eingegrooved und gesehen haben, was für Bilder entstehen, wurden auch Gabi & Valeriia immer mutiger. Der Handlungs-Flow, innerhalb der kleinen Episoden, bekam ein Eigenleben und auch eine erfrischende Leichtigkeit.
Die Protagonistinnen Gabi und Valeriia sind zwei sehr starke Frauen, die die einzelnen Episoden dieser BILD-Geschichte mit ihrer ganz eigenen Emotionalität grandios ausgefüllt haben. Ich bin unfassbar Stolz auf alle beide und auch Dankbar, dass diese Bilder entstehen durften.

Übrigens auch die Episodenliste war ein Plus. Sie hat es für mich unfassbar einfacher gemacht, während des Shoots den „Roten Faden“ zu behalten. Ihr kennt vielleicht auch Shoots, bei denen man schlicht vergessen hat einen Teil der Ideen umzusetzen, weil man sich auf vieles gleichzeitig konzentrieren musste. Wenn es mal ins Stocken geraten ist, habe ich einfach souffliert und Anregungen gegeben, bis wir wieder im Flow waren. Es war faszinierend zu beobachten, wie innerhalb dieses Rahmens Bilder entstanden sind, die sehr lebendig und stimmig waren, da sie immer aus echtem Handeln resultierten. Aber auch Bilder entstanden sind, die ich mir so im Vorfeld nicht hätte ausdenken können!
Spannend war auch zu erleben, wie sich meine Rolle über diesen Prozess ein Stück weit vom Porträt-Fotografen zum Reportage-Fotografen gewandelt hat.
Für jede Bildgeschichte umsetzbar
Dieser Ansatz lässt sich tatsächlich für jeder Art von Bildgeschichte oder Bildstrecke umsetzen, egal ob es sich um eine kleine oder sehr komplexe Geschichte handelt. Es funktioniert überall gleich. Und man vermeidet dadurch auch, sowohl sich als Fotografen als auch die Protagonisten vor der Kamera zu überfordern und zu demotivieren:
- Teile die Geschichte (das WAS) in kleine Episoden auf
- Transportiere die Stimmung / die Vibes und
- Überlasse das Ausfüllen der Handlung (das WIE) weitestgehend den Protagonisten

Auf dem Prüfstein
Diese Learnings habe ich übrigens jüngst beim Shooten eines kompletten Bild-Romans, „Sisterhood of Secrets“ umgesetzt, für den ich mich mehrere Tage in einem opulent eingerichteten Herrenhaus eingemietet habe. Die Protagonistinnen waren Valeriia, die auch bei „Daydreams“ an Bord war und Ricarda. O-Ton Ricarda: „Ich hätte nicht gedacht, dass es bei diesem Programm, das wir uns vorgenommen haben, so easy sein wird. Dieses Entlanghangeln an kleinen Episoden hat so eine Leichtigkeit und ich habe mich nie überfordert gefühlt. Es hat, zusammen mit Vali, einfach so viel Spaß gemacht und mich immer wieder gehiped, weil es sofort Erfolgserlebnisse gab.“
Auch hier ist zwischen den beiden Protagonistinnen der Geschichte ein eigener Handlungsflow innerhalb der Episoden entstanden. Ricarda und Valeriia haben sich übrigens erst auf unser drei stündigen Autofahrt nach Rostock kennen gelernt. Der Bild-Roman „Schatten der Vergangenheit“ wird Anfang nächsten Jahres herauskommen.
Diese Form, sich methodisch zu entlasten ermöglicht es mir, mich voll auf die Menschen, Stimmungen und Bildkomposition zu konzentrieren. Genau die Punkte, die dafür verantwortlich sind, ob ein Bild den Bildbetrachter berührt oder eben nicht.
Die komplette Bildgeschichte ist in gedruckter Form in „what happens next“, der Ausgabe 12 meines FineArt-Magazins veröffentlicht.
01
Die Bild-Strecke mit Ricarda ist in Sankt-Peter Ording entstanden. Rici, die grade auf einer Motoradreise durch Deutschland unterwegs war, hatte ich für unsere drei tägigen Shootingtour in Hamburg aufgelesen. Da wir uns persönlich noch nicht kannten, konnten wir die Hinfahrt gut nutzen. Wir waren sofort auf der gleichen Wellenlänge und haben glaube ich fast nur über Fotografie geschnackt. Kein Nerd-Talk über Technik! sondern was die Fotografie bei uns emotional auslöst und mit uns macht. Good Vibes für einen perfekter Start.
Für dieses Setting hatten wir auch einen Pavillon am Start um bei Nachmittagssonne beschattet shooten zu können. So hatten wir einen Lichttunnel, ganz auf den Spuren von Peter Lindbergh.
Kleine Anekdote am Rande: Schick mit Genehmigung und so. Ich erinnere den trockenen Hinweis aus dem Amt: „Verwaltungshandeln zieht Verwaltungsgebühren nach sich!“ Der Pavillon hat trotz unzähligen Sandsäcken dann grade mal eine Stunde überdauert, bevor er vom Wind in einem meterhohen Bogen weggefegt wurde. Ich hätte misstrauisch werden sollen, als die Kitesurfer von genialen Bedingungen geschwärmt hatten.











08
Ich war mit Gabi in der Stadt unterwegs um eine Bildstrecke eher mondäner Art mit einem Hauch Pariser Flair einzufangen. Meine Interpretation des Art Noir. Da ich an diesen Stadtteil keine richtige Erinnerung mehr hatte, habe ich mich 30 Minuten vor der verabredeten Zeit eingefunden, um nach geeigneten Spots zu scouten und noch eine passende Tageszeitung einzusammeln. Die Vorbereitung hat sich gelohnt. Auch bei dieser Bildstrecke ist das „Mood“ eher die Stimmung, die ich mit einem Pariser Stadtteil wie z. B. Saint-Germain-des-Prés verbinde, als das ich fertige Bilder im Kopf hätte. Die entstehen dann erst im kreativen Prozess. Und ich lasse mich durch die Dynamik der Menschen vor der Kamera inspirieren. So entstehen Dinge, die ich gar nicht hätte planen können – welche aber schlussendlich zu etwas durchaus Interessantem führen.
08
Diese Sehnsucht ist ein wichtiger Teil von mir und somit auch ein Teil meiner Bildsprache. Ich bin fast schon obsessiv auf der Suche nach „dem Bild dazwischen“, das – auch wenn es einer Inszenierung unterliegt – wie beiläufig erscheint. Als würde der Bildbetrachter zufällig einer Geschichte oder eines Augenblicks beiwohnen. So entstehen mitunter narrative Bilder, die eine intensive Nähe aufbauen und so dem Bildbetrachter das Gefühl vermitteln dabei zu sein. Da ich überwiegend in Bildstrecken denke, ist mir dies auch in Bezug auf Authentizität sehr wichtig. Ich bin übrigens davon überzeugt: Bildsprache oder eigener Stil entsteht, wenn man am wenigsten darüber nachdenkt und sich gestattet mit sich selbst ehrlich zu sein.
Wohlgemerkt gilt dies für meine Bilder, im Genre Porträtfotografie. Es gibt Fotografen, die es grandios verstehen, die bewusste Inszenierung in den Vordergrund zu stellen und Bilder entstehen lassen, die ich richtig feiere. Es ist nur nicht das Genre, welches mir entspricht.

Die Bilder mit Caro, die diesen Beitrag begleiten, sind zu einer Bildstrecke entstanden, die auch in gedruckter Form in meinem FineArt-Magazin issue 05 veröffentlicht wurde. Wenn dieser zarte Faden von Vertrauen so belastbar ist und alles irgendwie von selbst läuft und keiner sich erklären muss. Auch bei diesem Shoot mit Caro habe ich dies erleben dürfen. Sie sagte nur, lass uns mal was am Vorhang machen. Wir haben nicht gesprochen. Es war aber, als wären wir durch eine unsichtbare Leitung direkt miteinander verbunden. So sind im Flow diese wundervollen Bilder entstanden. Wie der letzte Spiegelschlag verklungen war, waren wir beide ein Stück weit Sprachlos und auch berührt von dieser Stimmung. Als wir die Bilder betrachteten, sagte Caro: „Für mich ist das unglaublich erotisch, so pur. Einfach ich. Das war Magie, oder?“ Ich hätte es besser nicht beschreiben können.
Kontrolle frisst Kreativität
Es gibt durchaus Fotografen, denen beim Abgeben der Kontrolle unwohl wird und die auch überzeugt sind, sie wären dann nicht mehr Gestalter des Bildes. Ich habe oft Ideen im Kopf, meistens viel zu viele und ich gebe einen gewissen Rahmen vor. Jedoch habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein Shooting, je mehr man es laufen lässt, umso besser und kreativer verläuft. Es sind dann meistens Stimmungen die ich einfangen bzw. transportieren möchte, als das ich bereits fertige Bilder im Kopf habe. Die entstehen dann oft erst im kreativen Prozess und der Interaktion mit den Menschen vor der Kamera. Und ich lasse mich gerne durch die Dynamik der Frauen vor meiner Kamera inspirieren. Tatsächlich stecke ich in diese „zufälligen Augenblicke“ sehr viel Achtsamkeit und Energie. Anders als in Kameratechnik, die ich für meine Bildergebnisse als absolut sekundär erachte.
Am Ende bin ich selbst davon überrascht, welche Bilder dabei entstehen. Besser und authentischer, als ich sie je hätte planen oder mir ausdenken können.
Was sind meine Zutaten für „in between“?
Stimmung schlägt Perfektion
Eine Hauptzutat ist sicherlich die Stimmung zwischen den Menschen, die für gemeinsame Bilder antreten und das Vertrauen in das gemeinsame Schaffen, damit auch ein gemeinsamer Kreativitätsprozess umgesetzt werden kann. Wenn ich ein Bild betrachte, dann sehe ich, was zum Zeitpunkt des Auslösens zwischen zwei Menschen auf der Beziehungsebene stattgefunden hat. Mehr dazu findet ihr auch hier in meinem Beitrag: Modell-Kommunikation oder der „Pudelwohlfühl-Faktor”
Anders als beim eher handwerklich orientiertem Abarbeiten von Bildideen, ist es mir wichtig, dass ein gemeinsamer Flow entsteht. Auch ein Grund, warum ich in Bezug zu Kameratechnik sehr reduziert bin. Technik will betreut werden und erzeugt zusätzliche Barrieren. Ich hatte auf meiner Shootingtour nach Fuerteventura (die Grundlage für „Seven Days in Paradise“) tatsächlich nur eine Kamera und ein Objektiv am Start. Ziel beim Einsatz von Kameratechnik sollte es sein, dass sie keine Rolle spielt. Ich musst sie so gut beherrschen, dass sie verschwindet. Sobald die Technik darüber hinaus Bedeutung bekommt, wird sie zum Selbstzweck – das wird dann zu einem Problem.
Mir ist es wichtiger, meine Energie auf die Menschen vor der Kamera zu konzentrieren, damit ein gemeinsamer und vertrauensvoller Flow entsteht, der die Kamera bestenfalls vergessen lässt. Für mich eine wesentliche Voraussetzung, damit Bilder mit Seele entstehen können.

Einen Rahmen schaffen
Wenn ich die „Bilder dazwischen“ bekommen möchte, muss ich dafür aber einen Rahmen schaffen. Heute nutze ich sehr oft den sequenziellen Einsatz von stimmigen Handlungsfolgen. Sprich sie posed nicht statisch für eine Bildidee, sondern tut ganz konkret etwas das Sinn ergibt. Beispielsweise anstelle nur die halb geöffnete Bluse anzufassen, knöpft sie diese tatsächlich auch auf oder zu. Den Blick entsprechend ihren Fingern folgend. Sie geht in ihren eigenen Flow der einer Handlung und Stimmigkeit folgt, ohne groß darüber nachdenken zu müssen, was wohl der Fotograf von ihr erwartet. Dies genau ist übrigens auch der Unterschied zwischen einem Abbild und einem Prozessbild. In punkto Authentizität liegen zwischen beiden oft Welten!
Dies funktioniert übrigens in allen Situationen. Schließlich folgt eine Bewegung im richtigen Leben ja auch immer einer Motivation bzw. einem Ziel. Wenn ich ihr innerhalb dieser Handlung die Kontrolle überlasse, wird sie diese mit ihrem ganz natürlichem Körpergefühl ausführen. Wie im richtigen Leben auch. Und genau diese lebendigen und echten Bilder brauche ich für meine Bildsprache.

Den Zufall provozieren
Jetzt muss ich diesen „Zufall“ aber auch provozieren um ihn einfangen zu können. Dafür shoote ich mit den Menschen vor meiner Kamera gerne im gemeinsamen Takt, der durch die Kameraauslösungen begleitet wird. Wie auch bei einem Tanz. Dies aber nicht im Dauerfeuer von Mehrfachauslösungen, sondern immer bewusst einzeln ausgelöst. In dem vollen Bewusstsein, dass ich die Kontrolle ein Stück weit abgebe und auf die gemeinsame Dynamik vertraue. Aber auch Bilder entstehen werden, die nicht brauchbar sind. Wie auch beim Tanz, unschöne Wechselschritte notwendig sind um die nächste Figur einzuleiten.
Ich nenne es den „Provozierten Zufall“! Würde ich jetzt nur konzentriert auf die Bilder hinarbeitet die ich im Kopf habe und auch nur dann auf den Auslöser drücken, werde ich „in between“ sicherlich verpassen. Eine voreilende Erwartungshaltung an das Ergebnis lässt uns vielleicht unfähig sein zu sehen, was noch alles für wundervolle Momente entstehen können. Erst wenn ich loslasse und schaue, wohin es mich führt, findet ein „gemeinsamer Tanz“ statt, dem sich auch die Menschen vor der Kamera hingeben können. Nur mit Ratio lässt sich dies nicht erzwingen. Wer einmal der Faszination des Tangotanzens erliegt, weiß, dass die gemeinsamen Bewegungen und die damit verbundene Interaktion KEINE Kopfsache ist.


Ein weiteres wichtiges Element ist es, diese Bilder „in between“ bei der Bildauswahl dann auch zu erkennen. Im Vergleich zu Bildern, die einen Hauch inszenierter wirken. Dieser Grat ist manches Mal extrem schmal. Da reicht bereits eine leicht unterschiedliche Augenposition um über stimmig und unstimmig zu entscheiden. Ich frage mich stets, glaube ich es ihr, was ich auf dem Bild sehe.

Wenn ihr es selbst erleben und erlernen wollt, es ist eine von diversen Techniken, die ich in meinen Workshops und Coaching vermittle. Mehr dazu siehe HIER












































